"Zwischen zwei Welten" - Lesung & Diskussion / Hatun Tuku
Frank Pillibeit: Ein lesenswertes Buch der kurdischen Autorin über die Probleme der Anpassung bei dem Leben in der westlichen Welt
"Zwischen zwei Welten" - Lesung & Diskussion / Hatun Tuku
Frank Pillibeit: Ein lesenswertes Buch der kurdischen Autorin über die Probleme der Anpassung bei dem Leben in der westlichen Welt
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Zwischen zwei Welten" - Lesung & Diskussion / Hatun Tuku
Frank Pillibeit: Ein lesenswertes Buch der kurdischen Autorin über die Probleme der Anpassung bei dem Leben in der westlichen Welt
"Zwischen zwei Welten" - Lesung & Diskussion
Hatun Tuku über ihr Buch:
Der Titel des Buches ist: „Zwischen zwei Welten“. Welche Welten sind dies? Es ist erstens die kurdische Welt, die „alte Heimat“ in der Türkei, wo ich geboren und aufgewachsen bin, und es ist zweitens die westliche, die moderne „neue Heimat“ in Deutschland, in der ich seit über 20 Jahren mit meiner Familie lebe. Zwischen diesen zwei Welten stehe ich - gleichsam mit dem Kopf in der neuen Welt, aber mit dem Herzen teilweise noch in der alten. In dem Buch wollte ich erstens meinen Kindern die Geschichte ihrer Großeltern und ihrer Onkel und Tanten erzählen. Es sollte auch ein Denkmal für meinen Vater sein, von dem ich das Beste, das in mir ist, bekommen habe. Und es sollte die Art und Weise, wie wir in der kurdischen Heimat gelebt haben, unser Brauchtum (zum Beispiel Feste und Feiern), in der Erinnerung halten. Zweitens wollte ich meinen eigenen Lebensweg aufzeichnen: Wie ich als Zwanzigjährige nach Deutschland kam, 15 Jahre in einer kurdisch-jesidischen Parallelwelt verbrachte und mich dann aus eigener Kraft zu befreien suchte. Nach meiner Heirat mit einem Vetter mütterlicherseits, der seit seinem fünften Lebensjahr in Deutschland lebte, kam ich in völliger Unkenntnis der Sprache und Kultur meiner neuen Heimat hierher. Die ersten 15 Jahre verbrachten wir damit, eine Familie zu gründen (fünf Kinder) und zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen. Zur gesellschaftlichen Umwelt hatte ich damals fast keinen Kontakt. Mein Ehemann sprach vorwiegend Kurdisch mit mir; nie hat er oder irgendjemand aus meiner Verwandtschaft mich auf die Notwendigkeit hingewiesen oder gar dabei unterstützt, die Sprache meiner neuen Heimat zu erlernen. Zwar arbeitete ich, um zum Familieneinkommen beizutragen, zeitweise als Putzhilfe in einem Restaurant und als Packerin in einer Textilfirma, kam aber dabei praktisch ohne Deutschkenntnisse aus. Dies ist ein Versäumnis, das ich nie überwinden werde.
Der Laufsport war es, der mich aus der Isolierung herausführte. Er brachte mich erstmals mit Deutschen in freundschaftlichen Kontakt, ließ mein Selbstbewusstsein steigen und mich zum Vorbild für kurdische Frauen werden. Die sportlichen Erfolge brachten mich dazu, mehr als bisher im Leben zu erreichen. Heute arbeite ich als interkulturelle Beraterin und Übersetzerin in einem Sozialprojekt in Garbsen.