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Wie die Kanzlerin Russland provoziert
Bild Orginalgrösse. (Bildrechte: National-Zeitung)

Wie die Kanzlerin Russland provoziert


Wie die Kanzlerin Russland provoziert

Wie kann Deutschland überleben? - Erkenntnisse aus dem Georgien-Konflikt



Am 22. Juni 1812 griff Napoleon an der Spitze von mehr als einer halben Million aus vielen Staaten Europas rekrutierten Soldaten Russland an. Am 21. Juni 1941 vollzog Hitler den Schlag oder Präventivschlag gegen die aufmarschierte Rote Armee aus den von Suworow in seinem neu aufgelegten Werk „Der Eisbrecher / Hitler in Stalins Kalkül” dargestellten Gründen (Pour le Mérite Verlag, 288 Seiten, Großformat, eindrucksvolle Bilder, € 24,80). Am ersten Tag (8.8.2008) der Olympiade in Peking eröffnete der ganz und gar auf die Macht der USA setzende georgische Präsident Saakaschwili den Kampf seines Kleinstaats gegen das große Russland. Alle drei Angriffe führten nicht zum Ziel, sondern zu einem Desaster.

Wenn Bismarck nach Petersburg oder Paris oder Wien reiste, so waren es dringende Staatsgeschäfte, die ihn zu wichtigen und fast immer den Nutzen von Preußen und Deutschland mehrenden Verhandlungen veranlassten. Wenn Merkel unentwegt überall hin fliegt, so geht es um ihre permanente Präsenz im Fernsehen und eine Steigerung der Wählergunst durch byzantinische Hymnen in der Meinungsindustrie.

Doch für die Staaten- und Völkerwelt rund um die Erde gelten weitgehend andere Maßstäbe als in Mitteleuropa. Alle Meinungsumfragen beweisen, dass nach wie vor Deutschland und das deutsche Volk sich eines großen Respekts bis zu einer ausgeprägten Zuneigung erfreuen. Die Stimmung kippt zu Lasten der deutschen Nation lediglich in Gebieten um, in denen wie in Afghanistan die Bundeswehr interveniert oder wie gegenüber der arabischen Welt die Bundeskanzlerin einen Treue- und Ergebenheitsschwur nach dem anderen für Israel loslässt, das in der Beliebtheitsskala weltweit das Schlusslicht bildet.

Neue Machtverhältnisse

Auf den Spuren Kohls will Merkel den deutschen Nationalstaat für immer entmachten und demontieren und möglichst viele Kompetenzen an Europäische Union und Nato übertragen. Uns bleibt dann nur noch das Recht, unsere Partner zu finanzieren und ihren Interessen zu dienen. Dabei übersehen die früher der UdSSR und derzeit den USA auf den Knien dienende Merkel und ihre Gehilfen die gewaltigen Veränderungen in den Machtverhältnissen der Welt durch das gigantische und blitzartige Hochkommen Chinas, wie ihn auch die Olympia-Ergebnisse unterstreichen. Die NATIONAL-ZEITUNG hat schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Chinas unaufhaltsamer Aufstieg konstatiert, der früher oder später begleitet wird vom Aufkommen weiterer Mächte wie insbesondere Indien und Brasilien. Die Unterwerfung der arabischen Welt durch Aufspaltung in unermesslich reiche Golfstaaten, die ihren maßlosen Luxus in einer für die dort Herrschenden todgefährlichen Weise immerfort vorführen, und in hungerleidende Habenichtse wird früher oder später zwangsläufig durch einen gewaltigen Umsturz enden.

Napoleon, Wilhelm II., Franz Joseph I. und Adolf Hitler haben sich in ihrer Einschätzung der Stärke Russlands furchtbar verkalkuliert, wofür die an den großen Kriegen beteiligten Völker zum Vorteil anderer zahlen mussten. Der georgische Präsident Saakaschwili hat durch seinen Überfall in Südossetien und Abchasien alles an Abenteuertum überboten und dabei die Existenz seines ohnmächtigen Miniaturstaates aufs Spiel gesetzt.

Der georgische Schriftsteller und Philosoph Devi Dumbadze urteilt in der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom 14. August 2008: „Das georgische Militär wurde zurückgeschlagen, es hat kaum zwei Tage gekämpft. Sobald russische Panzer rollten und Luftangriffe einsetzten, erklärte Georgien einseitig den Waffenstillstand. Die narzistische Selbstliebe und beinahe größenwahnsinnige Selbstüberschätzung der georgischen Regierung schien keine Zweifel darüber zuzulassen, dass die Freunde Georgiens auch einen Krieg gegen Russland riskieren würden. Sie wurde schnell eines Besseren belehrt.“

Rettende Neutralität

Bismarcks Weg zur kleindeutschen Reichsgründung war nur möglich, weil der geniale Staatsmann sich von den Interessen Preußens und weiterer deutscher Länder leiten ließ, ohne das deutsche Österreich zu demütigen. Frankreich und Russland hatten gänzlich andere, ja konträre Ziele. Merkels Bemühungen, die Europäische Union als Bundesstaat zu etablieren und dabei die Verfassung und die Souveränität der Bundesrepublik zu überwinden, fesselt unser Volk an ein fremdes und letztlich antideutsches Staatsgebilde. Selbst winzige Länder wie Malta und Zypern sollen mit einem EU-Kommissar ausgestattet sein, während Deutschland einschließlich Österreich, also dem größten Volk der EU mit 90 Millionen Volkszugehörigen, allenfalls ein Kommissar vollauf genüge.

Napoleon missbrauchte für seinen Überfall auf Russland nicht nur Polen, Spanier, Portugiesen und Italiener, sondern auch annähernd 150.000 Mann deutscher Hilfstruppen. Leo Tolstoi schreibt in seinem Werk „Krieg und Frieden“: „Am 22. Juni 1812 überschritten die Heere Europas die russische Grenze.“ Die größten deutschen Kontingente stellten neben den Preußen (38.000 Soldaten) die Bayern mit 30.000 Mann, Westfalen mit 27.000, Sachsen 26.000 und Württemberger 14.000.

Von Bismarck lernen

Die übergroße Mehrheit dieser Deutschen verlor ihr Leben, als Napoleon Europa in einen Friedhof verwandelte. Nur die meisten Soldaten des preußischen Hilfskorps wurden gerettet, weil deren Befehlshaber Yorck von Wartenburg das berühmte Neutralitätsabkommen mit dem aus Schlesien stammenden russischen General Diebitsch schloss.

Bismarck konstatierte und hielt sich als preußischer Ministerpräsident wie als deutscher Reichskanzler stets daran, dass die Beteiligung an fremden Kriegen nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert ist. Dabei war damals Preußen und dann das Deutsche Reich eine starke Militärmacht, was man von der Bundeswehr wirklich nicht sagen kann. Doch Merkel mischt sich überall ein und beharrt auf der „territorialen Integrität des fernen Georgien“. Laut der Bundeskanzlerin sei es inakzeptabel, die „Legitimität der Regierung in Tiflis zu bestreiten“. Merkel verlangt kategorisch den Abzug der russischen Truppen aus dem von Deutschland Tausende Kilometer entfernten Georgien und möchte im Kaukasus eine EU-„Friedenstruppe“ mit deutschen Soldaten installieren.

Doch wo liegen außer in strikter Nichteinmischung und uneingeschränkter Neutralität nach Schweizer Muster die deutschen Interessen im Kaukasus? Wir brauchen zwar Öl und Gas aus dem Osten, aber um keinen Preis einen Krieg mit Russland, China, dem Iran oder welchem Land auch immer.

Russland als natürlicher Freund

Die großen Kriege der Vergangenheit, die Deutschland heimsuchten, haben unser Volk entsetzlich dezimiert, vom Dreißigjährigen Krieg über die Napoleonischen Kriege bis zu beiden Weltkriegen. Der Erste wie der Zweite Weltkrieg wurden durch die Übermacht der USA entschieden. Der natürliche Freund Deutschlands aber ist Russland, das uns schon von der napoleonischen Gewaltherrschaft befreit hat. Deutschland und Russland können sich in unendlich vielen Bereichen helfen und ergänzen, auch in der Verwaltung Nordostpreußens. Die russische Seele ist dem deutschen Gemüt verwandt.

Bismarck rät in seinen berühmten „Gedanken und Erinnerungen“ (Herbig Verlag, München, 640 Seiten, € 9,95): „Zwischen Deutschland und Russland existieren keine Verschiedenheiten der Interessen, welche die Keime von Konflikten und eines Bruches unabweislich in sich trügen. Dagegen gewähren die übereinstimmenden Bedürfnisse in der polnischen Frage... Unterlagen für eine gemeinsame Politik beider Kabinette... Direkte Bedrohung des Friedens zwischen Deutschland und Russland ist kaum auf anderem Wege möglich als durch künstliche Verhetzung.“

Russland hat zugesehen, wie die Nato 1999 Jugoslawien zusammenbombte, 2001 Afghanistan überfiel, 2003 den Irak massakrierte. Doch dass der Einkreisungsring noch weiter vorgezogen werden kann – am Ende bis Moskau – hat Saakaschwili durch seinen zusammengebrochenen Überfall widerlegt.

Die jüngsten Auseinandersetzungen im Kaukasus zeigen vor aller Welt, dass Moskau die systematische Einkreisungspolitik der Nato nicht hinnimmt. Ist es nach beiden Weltkriegen wirklich so schwer zu begreifen, dass Deutschland außerhalb Mitteleuropas nichts zu suchen hat?

Dr. Gerhard Frey

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