Sauerland und Schaller durch den Hintereingang in die Salvatorkirche?
Am Samstag brennt in Duisburg die Luft
(News4Press.com)
Zur zentralen Trauerfeier am Samstag in der Salvatorkirche in Duisburg haben sich neben Bundespräsident Christian Wulff auch die Kanzlerin Angela Merkel angekündigt. Für den Duisburger OB Adolf Sauerland und den Love-Parade-Chef Rainer Schaller wird die Trauerfeier womöglich mit Schmährufen verbunden sein. Sauerland und Schaller müssen sich auf einen Spießrutenlauf einstellen. Am Duisburger Hauptbahnhof habe ich heute Morgen dazu Duisburger befragt. Ein 28jähriger Mann: "Sollte der Sauerland und der Schaller tatsächlich erscheinen, dann sollen die sich mal warm anziehen." Ein 65jähriger Rentner aus Rheinhausen: "Den Sauerland, den hassen mittlerweile alle Duisburger. Der Schaller ist in Duisburg unerwünscht. Seine Fintessbuden, die kann er mal gleich dichtmachen. Wenn der mir am Samstag an der Kirche den Weg kreutzt, dann gibts faule Eier." Kein einziger Duisburger hat sich vor Sauerland gestellt. Sauerland wird zusammen mit Schaller die Hauptverantwortung für die Toten und Verletzten angelastet. Selbst einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Duisburg kritisieren Sauerland massiv: "Seit dem der Sauerland die Love-Parade nach Duisburg geholt hat, ist der nur noch mit einem Heiligenschein durch die Verwaltung gerannt. Kritik an der Love-Parade hat der als Majestätsbeleidigung angesehen." Da Wulff und Merkel nach Duisburg kommen werden, ist mit erheblichen Einschränkungen des Verkehrs und Sperrungen um die Salvator-Kirche zu rechnen. Die Sicherheitsvorkehrungen werden erheblich sein.
Nach zuverlässigen Informationen aus der Stadtverwaltung soll geplant werden, dass der Oberbürgermeister durch einen Hintereingang die Kirche betreten. Ob Rainer Schaller an der Trauerfeier teilnehmen wird ist noch nicht bestätigt worden. Auch Schaller soll bereits etliche Drohanrufe bekommen haben.
Die 20 Todesopfer der Loveparade in Duisburg sind alle an Brustquetschungen gestorben. Das teilte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit und widersprach damit vorherigen Angaben der Behörden. Hannelore Kraft (SPD) sagte nach einer Sitzung des Landeskabinetts, entgegen ersten Annahmen sei bei der Massenpanik an einem Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände keines der Opfer durch einen Sturz von einem Treppenaufgang ums Leben gekommen.
Kraft kündigte zudem an, das Land Nordrhein-Westfalen werde künftig Städte bei der Ausrichtung von Großveranstaltungen intensiv beraten. Wegen der bundesweiten Bedeutung werde dieses Thema auch auf der nächsten Innenministerkonferenz behandelt.
Unterdessen wuchs weiter der Druck auf Veranstalter und Stadt. Laut „Süddeutscher Zeitung“ hatte die Duisburger Polizei Veranstalter und Stadt im Vorfeld der Loveparade vom Samstag mehrmals auf Bedenken am Sicherheitskonzept aufmerksam gemacht, sei aber auf massiven Widerstand gestoßen. „Die Polizei in Duisburg hat ihre Bedenken in mehreren Workshops und Besprechungen deutlich gemacht“, sagte ein Beamter dem Blatt. Der Veranstalter habe darauf nicht reagiert.
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf "Addi" Sauerland (CDU) hatte hingegen nach eigenen Angaben vor der Loveparade keine Kenntnis von Sicherheitsbedenken. „Mir sind keine Warnungen bekannt“, sagte er der „Rheinischen Post“. Der Stadt obliege die Prüfung, ob beantragte Veranstaltungen stattfinden könnten. „Und genau das haben wir auch in diesem Fall gewissenhaft getan.“
Drei Tage nach der Katastrophe wurden allerdings erneut Forderungen nach einem Rücktritt von Sauerland laut. Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl begründete die Forderung im „Kölner Stadt-Anzeiger“ damit, dass die Loveparade auf einem eingezäunten Gelände mit einem Tunnel als Fluchtweg nicht hätte genehmigt werden dürfen. Kraft sagte zu den Rücktrittsforderungen gegen Sauerland, sie habe zur Kenntnis genommen, dass er im Amt bleiben wolle. „Es wird am Ende auch um politische Verantwortung gehen“, ergänzte die SPD-Politikerin.
Schaller erklärte zu der Massenpanik am Zugangstunnel, an dessen westlichem Eingang seien auf Polizei-Anweisung alle 16 dort installierten Schleusen geöffnet worden. Danach seien die Besucher „unkontrolliert von Westen in den Tunnel“ geströmt. „Warum diese Anweisung erfolgte, ist uns nicht bekannt“, hieß es in der Erklärung. „Im Sicherheitskonzept war die Schließung für den drohenden Fall der Überfüllung vereinbart.“ Vor Schleusen-Öffnung waren laut Schaller 10 der 16 Kontrolldurchgänge in Absprache mit der Polizei wegen drohender Überfüllung des Tunnels geschlossen worden. Mittlerweile ist bekannt, dass mehrere Strafanzeigen gegen den OB Addi Sauerland und Rainer Schaller bei der Staatsanwaltschaft Duisburg und dem Amtsgericht eingegangen sind.
freier Journalist EPF
Johannes Schumacher
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