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Radio Vatikan äußert öffentliche Kritik an Kardinal Schönborn



Medjugorje-Reise des Wiener Erzbischofs im Kreuzfeuer

(News4Press.com)

Pressemeldung des Christoferuswerks vom 13.1.2010

Das öffentliche Sündenregister des Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn wird nicht kürzer: Der Vatikan dürfte dessen unerquickliche Rolle im innerkirchlichen Kampf gegen den vom Papst ernannten Weihbischof Gerhard Wagner noch in frischer Erinnerung haben. Auch seine sonstigen Spezialbeiträge im österreichischen Intrigantenstadl lassen sich unrühmlich sehen, zumal sie von der Kardinaltugend der Klugheit weit entfernt sind, ganz zu schweigen von der wichtigsten Kardinaltugend: der Gerechtigkeit.

Auch der brüderliche Geist seiner Eminenz etwa gegenüber den Mitbischöfen Groer (Wien) und Krenn (St. Pölten) wurde schmerzlich vermißt - umso mehr demonstrierte der Kirchenmann sein Karrierestreben und die damit verbundene Anbiederung an kirchenfeindliche Kreise bei deren unfairen Attacken auf konservative Oberhirten.

Nun sorgte der Wiener Erzbischof mit seinem Besuch in der „Erscheinungsstätte“ Medjugorje für erneute Irritationen. Der Vatikan verbietet seit Jahrzehnten katholischen Geistlichen „offizielle“ Pilgerfahrten nach Medjugorje. Flugs deklarierte Kardinal Schönborn seine Reise als „privat“.

Der „private“ Abstecher war freilich von erheblichem Medienwirbel begleitet – und Schönborns inoffizielles Hausorgan „kath.net“ läßt es sich nicht nehmen, ständig für online verfügbare Predigten und Ansprachen des prominenten Wiener Pilgers zu werben - mit Filmberichten aus Medjugorje inklusive.

Bischof Ratko Peric, Oberhirte von Mostar und damit zuständig auch für Medjugorje,
äußerte in einer öffentlichen Stellungnahme sehr deutlich sein Befremden über die Quasi-Anerkennung von Medjugorje durch den Wiener Kardinal, der sich allerdings seit Jahrzehnten für diesen nicht nur umstrittenen, sondern kirchlich ausdrücklich nicht anerkannten „Erscheinungsort“ stark macht.

Mit seiner aufsehenerregenden Reise nach Medjugorje, in der Schönborn die dortigen „Marienerscheinungen“ (es sind mittlerweile 40.000 an der Zahl) entgegen dem kirchlichen Urteil als authentisch bzw. übernatürlich würdigte, hat er nun wohl den Bogen überspannt und im Vatikan nicht nur für internes Stirnrunzeln gesorgt, sondern eine öffentliche Rüge im Papst-Sender „Radio Vatikan“ hervorgerufen.

In der Sonntagabend-Sendung vom 10. Januar 2010 beantwortete Pater Bernd Hagenkord, Chef der deutschen Sektion von „Radio Vatikan“, im Rahmen der Reihe „Frag den Pater“ einige Anfragen von Hörern. Dabei reagierte der Jesuitenpater auch auf meine kritische Zuschrift zur Medjugorje-Reise von Kardinal Schönborn:

“Frau Felizitas Küble ist irritiert vom Besuch des Wiener Kardinalerzbischofs Schönborn in Medjugorje. Sei das nun eine private Reise gewesen und wenn ja: warum seien seine ganzen Statements öffentlich und mit vielen Medien verlaufen? Untersagt der Vatikan nicht klar Pilgerreisen nach Medjugorje und wenn ja, unterläuft Kardinal Schönborn dann nicht dieses Verbot?

Medjugorje ist ein schwieriges Thema. Es gibt viele Menschen, die in den Erscheinungen dort Marias tätiges Eingreifen in die Welt sehen. Aber es hat auch eine Reihe von - sagen wir mal - Ungereimtheiten dort gegeben, besonders, was die betreuenden Seelsorger angeht. Und der Vatikan ist bis heute sehr deutlich, da haben Sie Recht: es ist kein anerkannter Marienwallfahrtsort und die Erscheinungen dort werden von der Kirche nicht als solche akzeptiert. Deswegen darf es auch keine organisierten Pilgerreisen dorthin geben.

Es schwingt viel Emotion in diesem Thema mit. Für viele Menschen ist Medjugorje ein Ort, an dem sie sich Maria besonders nahe fühlen. Ich glaube, wir treten Kardinal Schönborn nicht zu nahe wenn wir sagen, dass er zu diesen Menschen gehört. Die örtlichen Bischöfe hingehen - und vor allem der zuständige Bischof von Mostar - sind gar nicht so begeistert von dem Phänomen und schon gar nicht vom Besuch des Wiener Erzbischofs. Das ist ja auch öffentlich geworden. Der Bischof hat gesagt, er sei über den Besuch nicht informiert gewesen und habe das nur aus den Medien erfahren. Und er beklagt sich über die Stillosigkeit des Kardinals.

Symbolisch scheint dieser Besuch einer Anerkennung sehr nahe zu kommen, ganz gleich, was der Kardinal bei diesem Besuch gesagt hat.“

Diese Stellungnahme ist bei Radio Vatikan auch online verfügbar - hier der Link:
http://www.vaticanradio.org/tedesco/domande_e_risposte.htm

Früher galt in der Kirche das Prinzip „Roma locuta - causa finita“, das heißt: Rom hat gesprochen, der Fall ist entschieden.

Heute redet der Vatikan nicht selten an die Wand, insbesondere in der Causa Medjugorje. Bereits in den 80er Jahren hatte sich der damalige Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongegration klar hinter die ablehnende Haltung des zuständigen Bischofs von Mostar gestellt und Priestern deshalb offizielle Pilgerreisen nach Medjugorje untersagt. Auch die dortige Bischofskonferenz erklärte mehrfach, daß es sich bei den angeblichen „Marienerscheinungen“ nicht um übernatürliche Ereignisse handelt.

Diese Klarstellungen der Kirchenleitung werden von vielen Katholiken an der Basis, von nicht wenigen Priestern und Ordensleuten sowie von Internet-Portalen wie „kath.net“ ebenso mißachtet wie vom Wiener Erzbischof Schönborn, der als Kardinal überdies zur besonderen Loyalität gegenüber dem Papst verpflichtet ist.

Aber offenbar gilt mittlerweile ein ganz neues Prinzip: „Roma locuta - causa non finita“, auf deutsch: Rom hat zwar gesprochen, die Sache ist aber keineswegs entschieden.


Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks in Münster


Das Christoferuswerk in Münster ist eine als gemeinnützig anerkannte Aktionsgemeinschaft katholischer und evangelischer Christen, die 1971 vom kath. Jugendschriftsteller Günter Stiff (Münster) gegründet wurde und sich für christliche Medien- und Öffentlichkeitsarbeit einsetzt.

Christoferuswerk eV.
Felizitas Küble
Schlesienstr. 32
48167  Münster 
Tel:0251-616768  
Fax:0251-614020
felizitas.kueble@web.de




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