Die Freiheit ist tot, es lebe die Freiheit – es gilt, das Erbe der 68er anzutreten
Die Flanken der Nachkriegsrepublik Deutschland sind offen. Das System als Gesamtheit jener Elemente, die nach 1945 als Nutznießer des US-amerikanisch dominierten liberal-kapitalistischen Systems aufeinander bezogen waren, verblaßt im Schein der Abendsonne, die bekanntlich auch noch das Zwergenhafte zum Scheinriesen verzerrt.
Nach dem von Robert Michels beschriebenen »ehernen Gesetz der Oligarchie« verschiebt sich die beherrschende Elite mehr und mehr zu einer allein am Machterhalt interessierten Parteiclique. Bereits vor 25 Jahren titelte ausgerechnet die Zeit: »Abenddämmerung eines Systems? Nach der Schönwetter- jetzt die Wegwerfdemokratie«.
Die »Schönwetterdemokratie« wurde von den 68er-Kindern des Wohlstandssystems längst exekutiert. Rudolf Raasch analysierte bereits im Krisenjahr 1968, daß die Studentenrebellionen im direkten Zusammenhang mit der nach 1945 betriebenen Umerziehung stünden.
Raasch konstatierte als Motive der studentischen Anhänger der APO den Verrat der CDU an der Wiedervereinigung Deutschlands, den heuchlerischen Charakter der Adenauer-Republik, die Doppelzüngigkeit der SPD sowie den »Mauerbau in Berlin mit Zustimmung der USA, die sich mit ihrer Zustimmung zur endgültigen Teilung Deutschlands von der UdSSR freien Spielraum zur Unterwerfung der Dritten Welt einhandeln. Beispiel Vietnam.« Resümierend stellt Raasch fest: »In der Zusammenschau der Motive ergibt sich, daß die rebellierenden Studenten im nationalen und moralischen Bereich frustriert waren.«
Es wird heute, vierzig Jahre danach, mit gutem Grund nur ungern daran erinnert, daß die Aufstandsversuche, insbesondere im damaligen Ostblock, im wesentlichen freiheitlichen und nationalen Zielen verpflichtet waren. Bis 1968 gab es allein im Ostblock 46 Aufstände unter diesen Vorzeichen. Erinnert sei an Pavel Kohout, der im September 1968 forderte: »Wir wollten aber auch Demokratie. Wir wollten alle klassischen Freiheiten haben, soweit sie nicht die Freiheiten anderer verletzen.« Das Studentenparlament in Miskolc in Ungarn forderte bereits am 26. Oktober 1956: »Lang lebe das freie, demokratische, unabhängige Ungarn!« Die Niederschlagung der Aufstände besiegelte nicht zuletzt das Schicksal des freiheitlich ungarischen und tschechischen Nationalismus. Die Protagonisten des deutschen Widerstandswillens einte dagegen wohl nur sehr kurz ein nationaler Impuls.
Revoluzzer von gestern – Aufpasser von heute
1968 hätten die linken Studenten dieser Nachkriegsrepublik mit ihren Forderungen nach einem »herrschaftsfreien Diskurs« ihren Stempel aufdrücken können. Aber was Helmut Schelsky bereits in der Entstehungsphase des Umbruches analysierte, wird für den Sozialphilosophen Peter Furth zur Gewißheit. In einem im August 2008 veröffentlichten Interview attestiert er der »68er-Revolte«, sie habe eine »Wächtergeneration hinterlassen«. Die Freiheit ist auf dem Marsch der einstigen Revoluzzer durch die Institutionen auf der Strecke geblieben.
Furth bringt die derzeitige Situation auf den Punkt, wenn er einen Paradigmenwechsel feststellt. Die »Antifaschisten« bedienten sich heute jener Methoden, die sie selbst als »faschistisch« bezeichneten: »Meines Erachtens ist der Antifaschismus ein moralisches Herrschaftsmittel, das der Ausgrenzung von Andersdenkenden dient. Ein so erfolgreiches Instrument läßt man natürlich nicht so ohne weiteres kritisieren. Die Achtundsechziger sind es schließlich gewohnt, kultureller Hegemon zu sein. Das macht dumm.«
Dummheit regiert – diese Erkenntnis erschüttert die Glaubwürdigkeit der inzwischen ergrauten sozialistischen Herrschaftsriege in der Öffentlichkeit allerdings keineswegs nachhaltig.
Das Ergebnis von 40 Jahren 68er-Revolte sind niederschmetternd. Diese haben einen Staat hinterlassen, dem man vieles, aber keine Bindungskräfte nachsagen kann. Zwar müssen Umfragen immer kritisch gesehen werden, aber was sich an empirischen Daten der Institute in den letzten Jahren verdichtet, müßte in den Machtzentralen dieses Landes die Alarmglocken schrillen lassen.
Man darf allerdings skeptisch sein, ob die Signale des Untergangs wirklich diagnostiziert werden. Zuletzt dokumentiert die Auflösung des DDR-Systems, daß allumfassende Informationsbeschaffung durch die totalitäre Staatsmacht zwar Einzelinformationen sammelt, aber weder eine Verknüpfung dieser Informationen und erst recht keine Konsequenzen gewährleistet. Dies sollte all jene entspannen, die sich auf die gleichen totalitären Mechanismen im Post-68er-Staat konzentrieren und lähmen lassen.
Nur 13 Prozent der Bevölkerung finden »die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik im großen und ganzen gerecht«. Angesichts dieses Befundes erstaunt nicht, daß 52 Prozent der Deutschen ahnen, wer ihnen diese Verhältnisse eingebrockt hat. Über die Hälfte nämlich sind »mit dem demokratischen System weniger oder gar nicht zufrieden.« In Mitteldeutschland ist der Anteil noch größer.
Gemeinwesen ohne Bindungskräfte
Eine von der ARD und der Welt vorgelegte Umfrage des Instituts Infratest Dimap stellt fest: »63 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind … die Deutschen … mit der Demokratie nicht mehr zufrieden… Die Debatte um soziale Gerechtigkeit und die wachsende Schere zwischen Arm und Reich haben die Fundamente der bundesdeutschen Demokratie in der Wahrnehmung der deutschen Bevölkerung ernsthaft erschüttert.«
Die Politik, das wissen die Bürger, hat keine Möglichkeit mehr, diese sozialen Fehlstellungen zu beseitigen. Sie wissen aber auch, daß diese Politiker, die in diesem Zusammenhang gern von »unabwendbaren Tatsachen der Globalisierung« sprechen, diese Souveränität selbst aus der Hand gegeben haben. Nicht unausweichliche Zwänge stehen hinter der globalen Wirtschaftsentwicklung, sondern eine faßbare Ideologie des Neoliberalismus, der philosophisch auf dem Postulat einer unüberwindlichen Trennung von Körper und Seele, Mensch und Natur, Einzelmensch und Gemeinschaft beruht. Die zerstörerische existenzialistische Weltauffassung ist ebenso wie der alles erstickende Freie Markt das Ergebnis dieser Auffassung.
Wir leben nicht mehr in einer Demokratie, und die in den Verfassungsschutzämtern eifrig sammelnden Wächter dokumentieren die Richtigkeit dieser These tagtäglich. Die Kritik an undemokratischen Zuständen ist demnach nämlich bereits Beleg für die undemokratische Haltung des Kritikers. Das ist ungefähr so logisch wie das Lob für praktizierte Toleranz derjenigen, die etwa im Kampf gegen Rechts für die Verhinderung politischer Opposition zu sorgen suchen.
Der britische Publizist Colin Crouch spricht zurecht, was den Westen anlangt, von einer »Postdemokratie«: »Der Begriff bezeichnet ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, Wahlen, die sogar dazu führen, daß Regierungen ihren Abschied nehmen müssen, in dem allerdings konkurrierende Mannschaften professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während des Wahlkampfes so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben. Die Mehrheit der Bürger spielt dabei nur eine passive, schweigende, sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf Signale, die man ihnen gibt. Im Schatten dieser politischen Inszenierung wird die reale Politik hinter verschlossenen Türen gemacht: von den gewählten Regierungen und den Eliten, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten.«
Demokratie setzt einen handlungsfähigen Staat voraus. Die Voraussetzung für einen handlungsfähigen Staat ist ein handlungsfähiges Staatsvolk. Die Freiheit des Staates wird aber nach außen hin durch die undemokratisch verfaßte Europäische Union, nach innen hin durch die Auflösung des Staatsvolkes durch die Ideologie des Multikulturalismus begrenzt.
Politische Entscheidungen werden nicht von ungefähr hinter verschlossenen Türen gefällt. Der auffällig lauten Diskursbereitschaft der Endlos-Talkrunden steht die Einsilbigkeit einer politischen Entscheidungsstruktur entgegen, die vom Kommunal- bis zum Europaparlament alles Wichtige in nicht-öffentlichen Ausschüssen austrägt.
Die »Postdemokratie« ist gar nicht demokratisch
Angesichts dieser Grundbedingungen nimmt es wunder, daß Nationalisten zwar vom System als Gegner diagnostiziert werden, aber noch immer nicht jene Durchschlagskraft entwickeln können, die zur Veränderung der Lage nötig wäre. Das liegt sicher auch an den millionenschweren Programmen gegen Rechts, einer schier allmächtigen Präsenz dieses Systems in den Medien, aber eben auch am Unvermögen der Systemopposition, die noch nicht den bereits von Henning Eichberg eingeforderten »Befreiuungsnationalismus« repräsentieren kann.
Eine wichtige Ursache für diesen Mangel besteht in einer Vergangenheitsfixierung der deutschen Rechten, die sich auch durch alle »innerrechten Fronten« zieht. Sowohl die konservativen Revolutionäre im Umkreis der Jungen Freiheit wie auch weite Teile des radikalen nationalen Widerstandes werden von der Logik der Umerzieher dominiert.
Die Linke behauptet, daß Nationalismus nicht möglich sei, weil zwischen 1933 und 1945 Unrecht geschehen sei; Teile des nationalen Widerstandes versuchen mit Hilfe des historischen Revisionismus, ihre politische Legitimation zu erklären. Nationalismus sei nur möglich, weil nichts Verbrecherisches in der inkriminierten Zeit geschehen sei.
Und die Konservative Revolution stolpert zuletzt im Dickicht der Vergangenheitsfixierung, indem sie sich einerseits auf die Taten des konservativen Widerstandes im Dritten Reich konzentriert und andererseits in den Gefechten von gestern, ihrem ideologischen Pendant, der alten Linken, deren Verbrechen vorrechnet. Die Neoliberalisten profitieren vom Streit um die Vergangenheit. Denn Geschichtsschreibung taugt nicht zum politischen Instrument.
Im übrigen besteht für diejenigen, die den Glauben an dieses System verloren haben, die um ihre Existenz bangen, nur wenig Veranlassung, sich diesem Streit um die Symbole anzuschließen. Es ist für die derzeitige Situation völlig unmaßgeblich, ob Stauffenberg Held oder Verräter war. Die Instrumentalisierung von Geschichte zur Ausbildung eines schlechten Gewissens wird von der Mehrheit der Bevölkerung längst als belastend angesehen. Die fühlen sich nicht mehr verstanden: Ein geringerer Teil schließt sich zur Zeit der reaktionären Linken an. Der größere Teil kann sich für nichts begeistern und übt sich in politischer Abstinenz.
Nationalismus als anthropologische Konstante
Nationalismus benötigt nicht die Symbole von gestern und erst recht nicht eine chauvinistische Überheblichkeitsattitüde. Henning Eichberg mahnte einen »modernen Humanismus« an. Dieser könne weder – »wie die Rechte allein von einem gegebenen Menschenbild, noch – wie die Linke – allein von einem gewollten, utopischen Menschenbild ausgehen. Er muß vielmehr den rassisch differenzierten Homo Sapiens als Ergebnis der Evolution ebenso im Auge haben wie die Zielvorstellung, den ›Übermenschen‹.«
Der Nationalismus ist nach Eichbergs Auffassung eine Tatsache, eine »anthropologische Grundstruktur«, die nicht abgeschafft, sondern allenfalls transformiert werden könne – transformiert werden muß, wie man hinzufügen sollte.
Nationalismus muß sich in diesem Sinne zu einem europäischen Nationalismus entwickeln, der sich in den bereits erwähnten Befreiungsnationalismen von Mitteldeutschland (1970) bis zum Freiheitskampf der Deutschen 1989 bereits andeutet hat und in ganz Europa zu finden ist. Moderner Nationalismus bedeutet die Durchsetzung einer korporativen Weltordnung ohne die Dominanz der USA. Moderner europäischer Nationalismus und missionarischer Imperialismus schließen sich aus. Das prägt den Begriff eines modernen Humanismus. Und der wird politische Dynamik erzeugen.
Der Irrationalität der 68er-Ideologen, die die biologistische Rechte bekämpfen und sich selbst, wenn sie fortwährend von »der Menschheit« schwadronieren, in »biologistischem Reduktionismus« (Alain de Benoist) üben, »indem sie ein moralisches Gebot aus einem Umstand folgern, der nur mit Zoologie zu tun hat«, muß überwunden werden. Die 68er postulieren Glaubenssätze einer Demokratie nach ihrem Gusto, die von Lehrern, Psychologen, von Medienleuten, kurz von allen Teilen der Gesellschaft überwacht werden sollen.
Wer gegen diese Grundprinzipien der allgemein anerkannten Haltung verstößt, wird als Aussatz behandelt. Es gelte, ihn zu bekämpfen wie eine Krankheit. Das aber stellt eine voraufklärerische Haltung dar.
Die Einbeziehung der Aufklärung aber, die Eichberg als »Neue Rationalität« beschreibt, muß vielmehr auch die Vorstellungen von der inneren Ordnung der Gesellschaft bestimmen: »Da die abendländische Rationalität Inhalt der neuen Selbstidentifikation geworden ist, impliziert europäischer Nationalismus notwendig im Inneren der Nation die größtmögliche Meinungsfreiheit.« Nichts dürfe dem Zugriff des menschlichen Geistes entzogen sein: »Nicht dogmatisch und ausschließend, sondern umfassend und für jede neue Erkenntnis der Zukunft offen.« Mit solchen Botschaften kann man in die politische Auseinandersetzung mit einer verlebten 68er-Kaste treten.
Solche Wurzeln wird man aber weder bei Otto Ernst Remer noch bei Stauffenberg finden. Insofern gewinnt der Begriff der Nationaldemokratie im 21. Jahrhundert eine neue Bedeutung. Der deutsche Idealismus ist der Vorläufer für jeden modernen Nationalismus. Freiheit und Nation gehören zusammen. Die Entdeckung der Volksidentität und die Loslösung von dynastischen Zwängen ist heute das Vorbild für einen anstehenden Befreiungskampf aus dem Griff nunmehr international agierender neoliberaler Kräfte. Nicht Freiheit des Geldes, sondern die Freiheit von Individuen und Völkern steht für den modernen Nationalismus im Vordergrund.
Welterleben und Welterkennen
Der Mensch ist zur Freiheit geboren – also weder ein Sklave biologischer Grundstrukturen noch ein Sklave der äußeren Verhältnisse, wie dies der Marxismus glauben macht. Dieses Streben zur sittlichen Freiheit hat Rudolf Steiner sehr schön beschrieben: »Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen.«
Zu verneinen ist ein Egalitarismus, der es gänzlich ablehnt, Menschen als Person oder Volk aufzufassen, sondern nur als Menschenmasse oder ihrem Korrelat, dem Individuum. Der Egalitarismus und seine politischen Helfershelfer »verpflanzt« den Menschen ohne Rücksicht auf seine Konstitution, auf seine Erinnerungen, auf seine Identität eben – unter der zynischen Ansage, dies geschehe nur zu seinem besten.
Guillaume Faye beschreibt dies so, daß der Mensch aus sich heraus handele, und nicht durch die Gattung: »Er handelt aus sich heraus, nicht als atomisiertes Individuum, sondern als Volk, als schöpferische Person, die die Seele und Schicksal ihre Volkes zum Ausdruck bringt.«
Die Biologisten, die heute die Frage der Einwanderung etwa mit der »biologischen Reinerhaltung des Volkskörpers« begründen, blenden jedoch wesentliche Faktoren des Menschseins aus, das eben immer auch in der Überwindung des Naturhaften liegt. Den Menschen zum reinen Naturwesen zu machen, wird der Lebenswirklichkeit ebenso wenig gerecht wie die Behauptung seiner völligen Losgelöstheit von eben diesen Bedingungen.
Der Biologe Adolf Portmann beschrieb, ebenfalls vor bereits 40 Jahren, die Problematik in seinem Buch »Welterleben und Weltwissen«. Die Begriffspaare, so seine Forderung, müßten ganzheitlich vereint werden. Portmann beschreibt zwei Formen des »Inderweltseins«. Das Primäre ist das Welterleben, das Sekundäre, das Welterkennen. Beide sind aufgrund der weitgehend offenen Erbstruktur als Grundverhaltensweisen im Menschen angelegt.
Der Reichtum der Völker und Kulturen
Das Welterleben ist das Denken, »das sich in diesem erlebten Raum entfaltet«. Es »nährt sich von Analogien, von bildhaften Vergleichen, von der Macht des eigenen innerlichen Erfahrens, durch das auch alles andere erlebt und beseelt wird … In diesem Anschauen und Sinnen entstehen auch Gleichnisse, die das Geheimnis von Geburt und Tod, die Hoffnungen auf Dauer, auf Ewigkeit unseres Menschenlebens mit immer neuen Symbolen gestalten.« In diesem Bereich ist das naturhaft Verwurzelte, die Bindung an Familie, an Volk und Heimat begründet.
Das Welterkennen ist die notwendige Orientierung in der Welt mit Hilfe des Verstandes. Jede Zivilisation gehört dieser sekundären Form an, jede wirkliche Kultur beruht auf der Synthese beider Formen. Weder darf die menschliche Kultur an der biologistischen Einengung zugrunde gehen, noch von einer maßlosen Rationalität verdrängt werden.
Der Reichtum der Völker liegt an ihren bewußt geschaffenen kulturellen Differenzen. Diese Differenzen haben sich auch durch Vermischung oder kulturelle Assimilation ergeben – dies ist eine Tatsache, die man insbeondere in Mitteleuropa und erst recht nicht in Deutschland, nicht leugnen kann. Die Frage kann also nicht sein, ob ein einzelner seit 40 Jahren in Deutschland lebender Türke sich nicht zum Deutschen assimilieren kann, sondern, ob man die massenhafte Zwangsassimilierung von Zuwanderern für human hält.
Die Fokussierung der Einwanderungsfrage auf Einzelschicksale verbindet übrigens kurioserweise Rechte wie Linke. Während manch Rechter das Aufgehen in eine neue Identität überhaupt für unmöglich erklärt und jeden einzelnen Versuch kategorisch abzulehnen geneigt ist, versuchen die Linken ihren zoologischen Begriff der Menschenrechte etwa bei Bleiberechtsfragen damit zu legitimieren, indem sie diese Assimilation jedes einzelnen grundsätzlich für möglich halten.
Tatsache ist, daß Einwanderung und Assimilation glücken oder scheitern kann. Masseneinwanderung dagegen wird mit Sicherheit das kulturelle Gefüge der Nationalstaaten zum Wanken bringen. Es ist unnötig zu erwähnen, daß eine wirkliche kulturelle Assimilation von Gruppen mit Sicherheit nicht durch bundesrepublikanische Fragenkataloge bewerkstelligt werden kann.
Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Die Flanken dieser Nachkriegsrepublik Deutschland sind offen. Die Frage ist, ob wir in die offenen Räume hereinstoßen oder ob wir vornehmlich die Schlachten von gestern schlagen. Die Freiheit ist tot, es lebe die Freiheit – wir müssen die 68er nicht mehr bekämpfen, sondern wir können getrost ihr Erbe antreten.
Andreas Molau
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Andreas Molau wurde 1968 in Braunschweig geboren. Er studierte in Braunschweig Deutsch, Geschichte und Politik. Als Publizist leitete er den Kulturteil der Wochenzeitung Junge Freiheit und war als Chefredakteur der Deutschen Geschichte tätig. Nach einer achtjährigen Unterbrechung der publizistischen Tätigkeit als Oberstufen- und Klassenlehrer an der Freien Waldorfschule Braunschweig arbeitete Molau als stellvertr. Chefredakteur der Deutschen Stimme und jetzt als Pressesprecher der NPD-Fraktion in Schwerin.
Molau ist Vorsitzender der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP).