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OB Sauerland (CDU) bringt seine Familie aus der Stadt

Was wusste Ex-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU)?

(News4Press.com)


Aus zuverlässigen Kreisen innerhalb der Stadtverwaltung Duisburg wird berichtet, dass Ex-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in seiner Amtszeit sich über den genauen Fortgang der Planung der "Love-Parade" ständig berichten lies. Rüttgers soll auch Sauerland zugesichert haben, in jeder Weise Hilfestellung zu leisten. Sauerland und Rüttgers kennen sich seit vielen Jahren und sind befreundet. Die Düsseldorfer Staatskanzlei soll Sauerland in seinem Wahlkampf nicht unerheblich finanziell und medial unterstützt haben. Durfte Sauerland undankbar sein und die Ausrichtung absagen?

Was wusste Jürgen Rüttgers über die Sicherheitsbedenken, die bei der Organisation der Love-Parade geäussert wurden?

War der Austragungsort Duisburg ein großzügige Geste von Sauerland, um sich bei Rüttgers zu bedanken?

Musste Sauerland unter allen Umständen die Veranstaltung durchführen, damit er nicht als Versager dastand wie Bochum?

Wollte es die Stadt Duisburg der Stadt Bochum zeigen, weil die abgesagt hatten?

Die 20 Sauerland / Schaller-Tote und 511 Verletzte jetzt der neuen Landesregierung unter Hannelore Kraft anzulasten, ist an Blödheit kaum zu überbieten. Der Versuch von SPD-Innenminister Jäger sich vor seine beamteten Kollegen und der Leitung der Polizei in Duisburg zu stellen, um damit selber punkten zu können, ist allerdings der Unerfahrenheit von Jäger anzulasten.

Es gibt Bilder aus besseren Tagen. Adolf Sauerland, wie er auf dem Motorroller durch seine Stadt fährt, unterwegs zu einer kleinen Jubiläumsfeier oder einer Rede. Wie er an Karneval mit Turban und im Kaftan eine Ratssitzung leitet, um sich bei den türkischen Wählerinnen und Wähler beliebt zu machen. Und immer wieder: Wie er mit Fanschals des MSV Duisburg posiert, wedelt, schwenkt. Meistens grinst er breit und etwas verschmitzt auf diesen Bildern. Es sind Bilder eines Lokalpolitikers auf dem Höhepunkt seiner Karriere, eines Bergarbeiter-Sohns, der es mit aufgesetzter Volksnähe und politischer Taktiererei an die Spitze seiner Heimatstadt geschafft hat – und sich dort sichtlich wohlfühlt. Hilfe von Parteifreund Jürgen Rüttgers und seiner Staatskanzlei war nötig, sehr erwünscht und letztlich sehr erfolgreich.

Seit Samstag ist alles anders. Der Duisburger Oberbürgermeister ist durch das Loveparade-Unglück vom regionalen Polit-Star zum vmeistverachteten Politiker Deutschlands geworden. "Mörder" nennen ihn seine ehemaligen Wähler, "schämen Sie sich, Herr Sauerland!", steht auf einem der Trauer-Schilder an der Unglücksstelle. Politiker aller Parteien haben ihm schon den Rücktritt nahegelegt, vor seinem Rathaus sind mehrere Protest-Demonstrationen geplant. Morddrohungen sind eingegangen, seine Familie hat der Oberbürgermeister zur Sicherheit aus der Stadt gebracht. Auf allen Bildern der letzten Tage lässt Addi Sauerland den Kopf hängen. Er scheint zu ahnen, dass er neben Rainer Schaller der Hauptverursacher dieser Großkatastrophe ist, aber es noch nicht wahrhaben will. Kein Jürgen Rüttgers und keine Staatskanzlei, die ihm jetzt noch beistehen kann.

Doch trotz all der Details, die mittlerweile über die schweren Versäumnisse bei der Planung der Loveparade bekannt sind, will der OB nicht zurücktreten. Gestern war ein internes Protokoll öffentlich geworden, das belegt, wie weitgehend die Zugeständnisse waren, die die Stadt den Veranstaltern beim Sicherheitskonzept gemacht hat. Das Schriftstück ging auch über Sauerlands Schreibtisch. Noch nachdem dieser Vorgang bekannt wurde, wehrte sich der CDU-Politiker gegen Rücktrittsforderungen: Das wäre wie ein Eingeständnis, den Tod der 20 Menschen verursacht zu haben, sagte er gestern: "Ich muss das durchhalten."

Dabei ist es selbst im Rathaus mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass der Oberbürgermeister tatsächlich von den Sicherheitsbedenken gewusst hat. Genau das hatte er Anfang der Woche noch geleugnet. Es ist nur einer von vielen schwerwiegenden Fehlern in der Krisenkommunikation, der zeigt, wie überfordert Addi Sauerland und seine Mitarbeiter im Rathaus waren und sind. Aus der Stadtspitze heißt es aber auch, dass der Oberbürgermeister nicht zurücktreten wolle, um seine Mitarbeiter zu schützen. So als wolle er sich als Blitzableiter vor seine Verwaltung stellen. Letztendlich will er aber sich schützen und nicht als Totalversager dastehen.

Ein Rücktritt des Oberbürgermeisters – das ist anscheinend so ungewöhnlich, dass die Gemeindeordnung des Landes dafür gar keine Regelung kennt. Sauerland müsste wohl gleich beim Regierungspräsidenten um seine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis bitten. Das ginge mit dem Verlust von Rentenansprüchen einher. Von welchem beamteten Politiker und welcher beamteten Politikerin kann man dieses Opfer verlangen? In den einstweiligen gutdotierten Ruhestand verabschiedet zu werden, darüber kann man sicher mit Sauerland, dem Stadtdirektor und der Leiterin des Bauamtes reden.

Wie lange er sich wirklich noch im Amt halten kann, ist die Frage. Zu sehr ist sein Name mit dem Loveparade-Unglück verknüpft, zu sehr hat er sich immer wieder trotz Bedenken für die Riesen-Veranstaltung stark gemacht. Sie hätte sein Triumph sein sollen, der vorläufige Höhepunkt für einen Oberbürgermeister, dessen Erfolge jahrelang selbst beim politischen Gegner für beeindrucktes Raunen sorgten.

Sauerland hatte für seine Wahlkampf vor allem drei Themen: Die Außenwirkung der Stadt, die maroden Finanzen sowie den Neubau der Großmoschee in Marxloh. Türkische Verbandsfunktionäre sollen ihm erhebliche Wahlunterstützung zugesagt haben. Er setzte sich erfolgreich für ein neues Einkaufszentrum ein, eröffnete Spaßbäder und Beachvolleyball-Anlagen. All das sollte das Image der Stadt verbessern. In seiner Amtszeit wurde aber auch ein neues Kraftwerk in der Duisburg gebaut, die Wirtschaftskraft stieg und sogar die chronisch hohe Arbeitslosenquote sank leicht.

Jetzt verschanzt sich Sauerland zeitweise in seinem Rathaus, das sogar ein wenig aussieht wie eine Burg, mit den dicken Mauern und schweren Holztüren. Wer in die erste Etage will, wird von Mitarbeitern freundlich, aber bestimmt zurückgepfiffen. Man soll dem OB in diesen Tagen wohl auch räumlich nicht zu nahe kommen. Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz für den Bundespräsidenten und der Kanzlerin hat Sauerland die Teilnahme an der Trauerfeier am Samstag abgesagt. Wird die Kanzlerin ihm dieses danken? Oder wird die Kanzlerin ihren Super-Instinkt ausfahren, der ihr sagt, dass es Zeit ist für Sauerland in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Ruhe, ja Ruhe soll in Duisburg wieder einkehren und das schnell Gras über die Blutspuren wachsen soll.

Durch die morgigen Demonstration wird zunächst weitere Unruhe und Hass sich Luft verschaffen. Sauerland und die Stadtverwaltung sowie die Schaller-Studios werden vermutlich die Türe und Tore zusperren. Der Notstand und der zivile Ungehorsam ist ausgebrochen in Duisburg. So leicht wird keine Ruhe mehr einkehren und das ist auch gut so.

freier Journalist EPF
Johannes Schumacher
Am Stadtrain 28a
41849  Wassenberg 
Tel:024329335022  
johannes19520@googlemail.com

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