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MEIN STILLER, GRAUER BRUDER DU…


Walter Flex (1887-1917) gehört zu den vergessenen Dichter und Denker Deutschlands, nicht deswegen, dass er nur ein kurzes Leben gehabt, sondern seiner Freigeist, der heute nicht mehr gefragt wird. So immer wenig vor der Geschichte bleibt, denn für heutigen „Politikern“ ist viel wichtiger pausenlos von Holocaust und Gefahr vom Rechts zu sprechen…


MEIN STILLER, GRAUER BRUDER DU…

(News4Press.com)
WALTER FLEX LEBEN

6. Juli 1887 in Eisenach geboren, studierte Germanistik in Erlangen und war Mitglied der Burschenschaft Bubenreuther. Seine erste Dissertation machte er an der Universität Salzburg und 1911 an der Uni Erlangen zurück zum Thema „Die Entwicklung des tragischen Problems in den deutschen Demetrius Dramen“ von Schiller promoviert.

1911-1913 war er Hauslehrer bei Familie Bismarck. In diesen Jahren schrieb er Zyklus "Zwölf Bismarcks" und publizierte auch die Tragödie "Klaus von Bismarck".

Flex hat jedoch meist fühlte sich einsam und praktisch keine Freunde gehabt. Für ihn war nur der Carl Theodor Körner (1791-1813) der gegen der Frankophilen wütete: "Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten. Vom Feinde bezahlt, dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk, dann Gnade Euch Gott!" – ein Vorbild eines Patrioten ohne Wenn und Aber.

In ganz Europa wurde er durch seine Anthologien und Werk „Der Wanderer zwischen beiden Welten“ bekannt. Er schildert die Freundschaft zu dem gefallenen Ernst Wurche, einem Mitglied in der Wandervogelbewegung. Flex idealisiert mittels atmosphärischer Skizzen die Frontkameradschaft und verknüpft sie mit der Lebensanschauung der Jugendbewegung. Dank der idealistischen Ästhetisierung des Kriegsgeschehens wird das Buch in Millionenhöhe aufgelegt und in mehr als 60 Länder der Welt übersetzt.

1914 meldete er sich als freiwilliger bei den Krieg. 1915 in Posen wurde er zu Leutnant und 1917 fiel in Estland bei Ösel (heute estnisch heißt: Saremaa).

1933 die sterblichen Überreste von Flex nach Königsberg umbetten wurden. Das Grab wurde 1945 durch sowjetische Armee zerstört. In Flex' Heimatstadt Eisenach gibt es nur ein symbolisches Grab.

Aber nun in Königsberg wurde auch zwar nicht genau, aber mindesten am Friedhof Juditten (Amalienau-Viertel) 1992 von Russen für ihn einen Monument errichtet. Am Königsturm im Whistleblower.

WO ALLES DUNKEL IST, MACHT LICHT!

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen,
Was keiner sagt, das sagt heraus,
Was keiner denkt, sollt ihr befragen,
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr's sagen,
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein,
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben,
Wenn alle mittun, steht allein!

Wo alle loben, habt Bedenken,
Wo alle spotten, spottet nicht,
Wo alle geizen, wagt zu schenken,
Wo alles dunkel ist, macht Licht!

Das ist das schönste Gedicht eines jungen Mannes, der an Nachkommen sehr entschlossene und wirksame Botschaft der Anständigkeit adressiert, die heute eine besondere Bedeutung hat: man soll auch trotzen lernen um einen freien Mensch zu bleiben.

WILDGÄNSE RAUSCHEN DURCH DIE NACHT

Wildgänse rauschen durch die Nacht
Mit schrillem Schrei nach Norden –
Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!
Die Welt ist voller Morden.

Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
Graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
Weit wallt und wogt der Hader.

Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
Was ist aus uns geworden!

Wir sind wie ihr ein graues Heer
Und fahr'n in Kaisers Namen,
Und fahr'n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Durch sein poetisches Werk in der „Wanderer zwischen zwei Welten“ wurde er deutschweit bekannt und später vertontes Lied darüber konnte man noch bis Ende 50er in Deutschland hören. Nun kein Mensch und kein Kind erinnert mehr an Dichter und Schriftsteller, der in Schweden, Niederlanden, Frankreich oder Italien, Österreich in der Schweiz, im Baltikum und sogar in Rußland, Indien und Japan in Schulbücher heute Platz hat… nur nicht in Deutschland

DIE DANKESSCHULD

Ich trat vor ein Soldatengrab
Und sprach zur Erde tief hinab:
«Mein stiller, grauer Bruder du,
Das Danken lässt uns keine Ruh'!

Ein Volk in toter Helden Schuld
Brennt tief in Dankesungeduld.
Daß ich die Hand noch rühren kann,
Das dank ich dir, du stiller Mann.

Wie rühr ich sie dir recht zum Preis?
Gib Antwort, Bruder, daß ich's weiß!
Willst du ein Bild von Erz und Stein?
Willst einen grünen Heldenhain?»

Und allzubald aus Grabesgrund
Ward mir des Bruders Antwort kund:
«Wir sanken hin für Deutschlands Glanz
Blüh', Deutschland, uns als Totenkranz!

Der Bruder, der den Acker pflügt,
Ist mir ein Denkmal wohlgefügt.
Die Mutter, die ihr Kindlein hegt,
Ein Blümlein über'm Grab mir pflegt.

Die Büblein schlank, die Dirnlein rank
Blüh'n mir als Totengärtlein's Dank.
Blüh', Deutschland, über'm Grabe mein,
Jung, stark und schön als Heldenhain!»

Walter Flex hat dieses besonders tragische Gedicht in Posen geschrieben, in dem er sich bedankt bei den toten Kameraden und die Hoffnung gibt – das seine und unsere Heimat stark und schön bleibe. Nur in zwei Jahre wurde er auf Insel Ösel selbst zum „stiller, grauer Bruder“. Aber welch eine Tragödie für ihn wurde, wenn er seine Heimat mit 58 erleben könne! – Manchmal doch ein Tod wird zum Segen der Menschen, die so eine ungetrübte Seele, wie der Walter Flex gehabt, und nicht zertrümmertes Bild der Heimat ins Grab mitnehmen könnte…

Nur 30 Jahre hat Walter Flex auf dieser Erde geweilt und nicht nur Gereimtes an den posteris geschenkt hat, sondern auch bedeutende philosophische Überlegung über das Leben:


„Aufgabe des Menschenlebens ist, hinter die Erscheinung des Menschlichen zu kommen, dann haben wir durch den Krieg unser Teil am Leben mehr als andere dahin. Wenige sehen wie wir hier draußen so viel Hüllen sinken, wenige haben so viel Niederträchtigkeit, Feigheit, Schwachheit, Selbstsucht und Eitelkeit, wenige so viel Würde und schweigsamen Seelenadel gesehen wie wir. „

„Wir können vom Leben nicht mehr fordern, als daß es sich uns entschleiert; darüber hinaus ist keine menschliche Forderung. Uns hat das Leben mehr als vielen gegeben, warten wir ruhig ab, ob es auch mehr von uns zu fordern hat.“ [Wanderer, S. 33-34]

„Nur wer beherzt und bescheiden die ganze Armseligkeit der Vielen, ihre Freuden und Gefahren mitträgt, Hunger und Durst, Frost und Schlaflosigkeit, Schmutz und Ungeziefer, Gefahr und Krankheit leidet, nur dem erschließt das Volk seine heimlichen Kammern, seine Rumpelkammern und seine Schatzkammern.„

„Wer mit hellen und gütigen Augen durch diese Kammern hindurchgegangen ist, der ist wohl berufen, unter die Führer des Volkes zu treten.“ [Wanderer, S. 7]


Es sieht so aus, daß für die politische Klasse in der BRD selbst die toten Dichter, wie Agnes Miegel oder Walter Flex gefährlich sind. Ist das eine Politik oder Versuch die Spuren der deutschen Kultur zu verwischen?...

http://gedichte.xbib.de/gedicht_Flex.htm
http://gutenberg.spiegel.de/autor/170
http://www.zeno.org/Literatur/M/Flex,+Walter
http://morgenwacht.wordpress.com/category/walter-flex/
http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/nstopo/strnam/Begriff_134.html
http://www.literaturportal-bayern.de/nachlaesse?task=lpbestate.default&id=339
http://ratsinfo.eisenach.de/sessionnet/bi/vo0050.php?__kvonr=1141
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16361

Bildnachweiß:
http://sphotos-e.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash3/p480x480/267701_602068873144267_1094316727_n.jpg




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