Logik des Abwrack-Unsinns: "Kauft nicht bei Deutschen"
Generell ist es unter Ökonomen – die in der Bundesregierung vergeblich zu suchen sind – äußerst fragwürdig, ob es mittel- und langfristig Sinn macht, bestimmte Wirtschaftszweige mit staatlichen Subventionen zu stützen. Nichts anderes ist die Abwrack-, Umwelt- oder Stilllegungsprämie von EUR 2.500,- für Personenkraftwagen von Privatpersonen, die mehr als acht Jahre alt sind. Da der Maschinenbau als noch bedeutsamerer Wirtschaftszweig bisher keine Begünstigungen in vergleichbarem Umfang erhält, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis die „Heidelberger Druck“ als Weltmarktführer eine ’Erneuerungsprämie’ für betagte Druckmaschinen politisch zu ventilieren sucht. Dann entdecken natürlich auch die Hersteller von Lokomotiven, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gegenüber dem Privatverkehr benachteiligt wird, und ersinnen eine „Lok“-Abwrackprämie und dergleichen Unsinn mehr. Usw, usf.
Dumm nur, dass die Abwrackprämie eine Regierung gewährt, die eigentlich für deutsche Interessen einzutreten hätte – mit der fünf Milliarden schweren „Umwelt“-prämie aber vor allem Kleinwagenherstellern aus Südostasien in die Hände spielt. Nackte Zahlen sprechen für sich: von den in Deutschland – also incl. der ausländischen Automobilanbieter – produzierten Fahrzeugen werden nur etwa 25% in Deutschland verkauft; von den deutschen Automobilmarken werden nur 40% an Privatpersonen verkauft oder geleast. Merke: Nur Privatpersonen kommen in den Genuss der Prämie. Somit hat die „Umwelt“-Prämie nur einen direkten Beschäftigungseffekt für deutsche Automobilhersteller von 10% (25% x 40%).
Negativ und überspitzt ausgedrückt bedeutet dies, dass die Abwrackprämie faktisch eine staatliche – bundesrepublikanische – Subvention für Importfahrzeuge bzw. nicht heimische Fahrzeuge darstellt und dass man das „Gelingen“ des Abwrackunsinnes fürwahr bei äußerst pointierter Formulierung als Aufforderung ansehen könnte, die dem Leitsatz folgt: „Kauft nicht bei Deutschen!“.
Aber damit sind die langfristigen Folgen des „Abwrack“-Unsinnes noch lange nicht abgehandelt.
Denn wenn ich 2009 neben der staatlich subventionierten Abwrackprämie im Rabattwettlauf noch „Umwelt“- (VW), Durchhalte- (Opel) und Mitleidsprämien (die Premiumhersteller BMW, Mercedes und Audi) erhalte und bis zu 30 Prozent an gesamtem Preisnachlass ergattere, so werde ich mich als Käufer im Jahr 2010ff schwerlich nur mit 5% Rabatten auf den Kaufpreis bescheiden. Die Margen – also Gewinnspannen – der Anbieter in Deutschland werden auf Jahre hin erheblich geschmälert. Damit auch die Möglichkeit, die Mitarbeiter an hohen Gewinnen zu beteiligen.
Und: Durch die Vorwegnahme von Ersatzbeschaffungen durch die Abwrackprämie wird der Kater nach dem Rausch der vermeintlich großartigen Verkaufszahlen im Inland gewaltig sein. Eine dicke Birne nach dem Erwachen ist für die Automobilindustrie vorprogrammiert…
Dass allgemein von strukturellen Überkapazitäten von 20-30% in Deutschland ausgegangen wird – auf gut deutsch: der Automobilsektor ist so ausgelegt, dass er 20-30% mehr Fahrzeuge bereitstellen kann als der Markt eigentlich benötigt, stört da fast schon keinen mehr!
Am Ende zahlen die Steuerzahler sich eben ihre Abwrackprämie wieder selbst – direkt und indirekt – zurück! Es lebe die bundesrepublikanische Wirtschaftspolitik!