Liebe geht DOCH durch den Magen: Europameisterschaft – oder: Das Frikadellen-Eigentor

Gibt es für einen Mann dieser Tage etwas Schöneres, als gemeinsam mit Freunden vor der Glotze zu sitzen und die Spiele der Fußball-Europameisterschaft anzusehen? Und zu einem solchen heimischen Fußballvergnügen gehört natürlich auch ein leckeres Essen auf die Hand … dessen Zubereitung durchaus Opfer und Zugeständnisse erfordern kann.


Liebe geht DOCH durch den Magen: Europameisterschaft – oder: Das Frikadellen-Eigentor

Es ist soweit: Die Fussball-Europameisterschaft hat gut für Dich und Deine Freunde begonnen mit dem Sieg der Deutschen Nationalelf gegen die niederländische Mannschaft. Das war am letzten Mittwoch und nun, zwei Tage, mehrere Aspirin und eine halbe Packung Halstabletten später, bereitest Du Dich bereits seelisch und moralisch auf das nächste Spiel am Sonntagabend gegen Dänemark vor.

Im allgemeinen Überschwang der Siegesfeier hast Du irgendwann zwischen dem Tröten Deiner Vuvuzela und der Betätigung Deiner Autohupe Deinen Freunden versprochen, dass ihr das nächste Spiel alle bei Dir zu Hause sehen könnt. Wozu habt Ihr schließlich im vergangenen Jahr das viele Geld für den überdimensionierten Flachbild-Fernseher ausgegeben?
Und es macht doch viel mehr Spaß, im engsten Freundeskreis die Übertragung zu genießen, statt im „Kickerzimmer“ des „Blauen Toni“ mit Leuten, die man nicht kennt. Findest Du zumindest. Und Du bist der festen Überzeugung gewesen, Deine Frau würde diese Ansicht teilen.

Dummerweise hat sie das nicht getan. Erstens grundsätzlich nicht und zweitens sowieso nicht, weil Du sie nicht vorher gefragt hast - und drittens auch nicht im Besonderen, weil … keine Ahnung, da hast Du schon nicht mehr zugehört. War ja auch nicht nötig, ihre Ansage war schließlich eindeutig: NEIN! Und selbst, wenn Du Dich bemühst, gelingt es Dir nicht, das misszuverstehen.

Nun ist so ein Nein zwar klar und verständlich, aber doch in Grenzen verhandelbar. Du kennst sie schließlich lange genug um zu wissen, wann eine solche Aussage „eher sterbe ich“ und wann sie „SO lasse ich Dir das nicht durchgehen“ bedeutet. Und dies ist eindeutig ein „So-lasse-ich-Dir-das-nicht-durchgehen“-Fall, der also mit einem gewissen diplomatischen Geschick noch irgendwie zu einem Kompromiss verhandelt werden kann.

Da Du nicht nur Deine Frau und ihre Reaktionen gut einschätzen kannst, sondern auch durchaus realistische Vorstellungen von der Wirksamkeit Deines Charmes hast (der im Wesentlichen auf dem Einsatz eines Dackelblicks beruht, dessen Effekt nach knapp zehn Jahren doch gelitten hat), greifst Du zu schweren Geschützen wie Blumen und Marzipan (sie LIEBT Marzipan!) und trittst in erneute Verhandlungen ein.

Die Sache ist kompliziert und zäh. Deine Frau hat aufgrund der Tatsache, dass Du sie übergangen hast, die besondere Schwere der Schuld festgestellt und ohne Zugeständnisse kommst Du da nicht wieder raus.
Schließlich gelingt es Dir aber doch, eine Lösung zu finden, die den Vereinten Nationen zur Ehre gereichen würde: vollständige Absolution gegen die Zusage der Renovierung Eurer Küche direkt nach Ende der Europameisterschaft, unter Konstruktion eines neuen Regals über dem Kühlschrank und außerdem vierzehn Tage Sozialarbeit … das bedeutet: jeden Morgen Kaffee ans Bett.

Zu der Abmachung gehört auch, dass alle zerbrechlichen Gegenstände von Dir aus dem Wohnzimmer entfernt werden und Du die Beseitigung jeglicher entstehender Flurschäden persönlich übernimmst. Das ist alles machbar. Dann jedoch kommt der Punkt, an dem Du streikst, als sie sagt: „Und ich kann Euch ja auch was Essbares vorbereiten. Frikadellen oder so. Halt was auf die Hand. Ist kein Problem … und kostet Dich nur ein kleines Wellness-Wochenende für mich und Gaby.“

Nein, sagst Du Dir und dann auch ihr, das geht zu weit. Du wirst nicht den Etat für den elektrischen Rasenmäher drangeben, um ihr und ihrer Freundin zwei verquatschte Frauentage in irgendeiner Luxus-Badewanne mit Gesichtsmasken und vorgeheizten Handtüchern zu bescheren. Schon deshalb nicht, weil Du Gaby eh nicht besonders leiden kannst … was Du allerdings klugerweise für Dich behälst.
Frikadellen sind zwar eine gute Idee, aber die kannst Du auch selbst …
„Kaufen“, sagt sie spitz.
„Herstellen“, antwortest Du würdevoll. Ihr Blick ist voller Zweifel. Doch das ignorierst Du einfach.

Das kann doch nicht schwer sein. Du erinnerst Dich an Deine Mutter und wie sie die Buletten zusammenzumatschen pflegte. Das sah wirklich nicht kompliziert aus. Schließlich musst Du das Hackfleisch ja nicht selbst erjagen und häuten.
Also Frikadellen … das ist gut und einfach und man kann sie vorbereiten; die Dinger sind schließlich gebraten und halten sich dann bestimmt zwei Tage im Kühlschrank. - Ein Kinderspiel.

Also gehst Du einkaufen. Und dabei fällt Dir auf, dass Du eigentlich keine Ahnung hast, wie viel Hackfleisch so ein durchschnittlicher Fußball-Enthusiast zu sich nehmen kann.
Im Kopf beginnst Du zu zählen: Ihr werdet zu sechst sein … oder nur zu fünft? - Ach, ist egal, dann bleibt eben ein bisschen übrig. Ist ja gut haltbar und im Zweifelsfall kann man die Dinger auch einfrieren.
Du entschließt Dich zu einem Pfund Gehacktem pro Person. Schließlich kommen da ja auch noch Brötchen rein. Wie viele davon? - Sagen wir mal zwölf, entscheidest Du. Das klingt schon irgendwie ganz vernünftig.

Sechs Pfund Gehacktes, das ist eine Sache. Und zwar eine ziemlich große. Aber zwölf aufgeweichte Brötchen … das ist schon etwas Anderes. Irgendwie eklig. Warum habt ihr eigentlich gar keine Schüssel, in die das alles reinpasst? Und warum klebt das nicht wirklich zusammen, so wie es das gefälligst tun sollte? Fehlt da was? Sägespäne vielleicht?

Die komplette Kolumne inkl. zweier passender Rezepte (eines davon vegan) lesen Sie kostenfrei unter:

www.extremnews.com/berichte/ernaehrung/fb5f13f725e7d55

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