Vom 7. bis 8. November 2009 sollte im „Waldhotel Forsthof“ in Kleinbottwar, Landkreis Ludwigsburg, der Jahreskongress der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) stattfinden. Der Eigentümer des Hotels erteilte der GfP kurz vor dem Kongress ein Hausverbot. Die National-Zeitung hat den GfP-Vorsitzenden Andreas Molau befragt.
National-Zeitung: Herr Molau, hatte die GfP ihren Kongress unter Klarnamen angemeldet?
Molau: Selbstverständlich hatte die GfP diesen Kongress unter ihrem Klarnamen angemeldet, der Wirt wusste Bescheid, zumal er bereits andere Veranstaltungen aus dem Spektrum durchgeführt hatte.
„EXTREME PRESSIONEN”
National-Zeitung: Wie kam es zu dem „Meinungswandel“ bei dem Hotelier?
Molau: Gegen den Wirt wurden offenbar extreme Pressionen ausgeübt. Auf Nachfrage von verschiedenen Personen präsentierte der Mann unterschiedliche Versionen. Zuerst sagte er sehr deutlich, dass er vom Bürgermeister unter Druck gesetzt worden sei. Es würden dann keine Vereine mehr in dem Lokal tagen dürfen. Aber auch die örtliche Presse soll Druck gemacht haben mit der Androhung entsprechender Enthüllungsgeschichten. Wir werden das in den nächsten Wochen genau recherchieren und öffentlich machen. Wir leben in einer repressiven Gesellschaft, die mich an den Spielfilm „Z“ mit Yves Montand erinnert. Offiziell gibt es Versammlungsfreiheit, inoffiziell entscheidet die Obrigkeit, ob es für die theoretisch zugelassene Veranstaltung auch einen Raum gibt.
MUT ODER ANGST?
National-Zeitung: Finden Ihre Gegner es nicht ein bisschen problematisch, eine Vereinigung, die sich Meinungsfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat, mit schierer Unterdrückung zu bekämpfen?
Molau: Paradoxerweise wird dieser Kampf im Namen der Meinungsfreiheit geführt: Man disqualifiziert den politisch Andersdenkenden einfach als „faschistisch“. Und die Verhinderung eines solchen Kongresses wirkt dann durch die entsprechenden Berichte der Medien wie die Verhinderung eines terroristischen Anschlages. Die Stuttgarter Zeitung hat hier einen peinlichen Bericht und Kommentar gebracht. Die Leute lesen das dann und empören sich noch nicht einmal, sondern sagen: Es ist gut, dass dieser Wirt so „mutig“ gewesen ist.
Ich weiß nicht, wie bewusst das bei so jemandem wie dem dortigen Bürgermeister geschieht. Diese Mechanismen funktionieren ja alle nur unter Angst. Niemand möchte als „Rechter“ identifiziert werden, weil vom Verfassungsschutz bis zur Politik über Medien, Verbände und Kirchen den Leuten eingehämmert wird, dass rechts keine Meinung sei, sondern ein Verbrechen. Das heißt, der Wirt hat einfach nur Angst: Physische Angst, dass ihm die Antifa das Lokal zerlegt. Und dann die Angst, dass er wirtschaftlich geschnitten, nicht mehr angesehen ist.
„KONSEQUENT FREIHEITLICH”
National-Zeitung: Was sagt uns der Fall?
Molau: Dass eine dissidente Rechte in diesem Land sich erstmal ganz konsequent als freiheitlich definieren muss! Wer heute Kritik an den Verhältnissen übt, der muss Kritik an den sich immer weiter einschränkenden Freiheitsräumen üben. Wir leben in einem Staat, der die Menschen bevormundet. Ärzte dürfen ihre Therapiefreiheit nicht ausüben, Eltern werden in der Erziehung ihrer Kinder entmündigt, die Bürokraten und Brüssel schreiben bis ins Kleinste alles vor, die politische Korrektheit verbietet es, das zu sagen, was einem auf den Nägeln brennt.
Dieser Freiheitsentzug wird als solcher schon erlebt. Deshalb muss er aufgegriffen werden. Die Gesellschaft für freie Publizistik hat sich dies seit fast 50 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Alles das, was das negative Image von rechts verstärkt, muss beseitigt werden. Selbstverständlich kann man nichts gegen Lügen machen. Aber man kann auch Fehler vermeiden. Ein Beispiel: Der Wirt sagte gegenüber der Presse, bei einer anderen Veranstaltung, der er Raum gegeben hatte, sei ihm ausgiebig verherrlichende Hitler-Lektüre negativ aufgestoßen. Dazu kann ich nur sagen: Eine Rechte, die sich heute noch auf diesen Mann stützt und selbst immer wieder geistig und gefühlsmäßig darauf zurückkommt, ist nicht zukunftsfähig. Die Deutschen wünschen sich diese Zustände zu Recht nicht mehr zurück, und die Deutschen wünschen vor allem auch, und dies ebenfalls zu Recht, keinen neuen 8. Mai. Das muss die Rechte ebenso wie eine klare Absage an jede Form von Gewalt selbst klären.
Und dann muss dieses neue Selbstverständnis transportiert werden. Letztlich läuft alles darauf hinaus, dass der vorpolitische Raum, die Presse auch von denen massenwirksamer genutzt werden muss, die sich gegen diese Entmündigung, gegen die Zerstörung der staatlichen und individuellen Souveränität wehren. Während aber die Linken Netzwerke ausbilden und an einem Strang ziehen, arbeiten die Rechten doch häufig sehr vereinzelt. Die GfP möchte diese Interessen bündeln und die für sich Agierenden zusammenführen. So finden schon jetzt regelmäßig Verlegertagungen oder Juristentagungen statt, wo darüber beraten wird, wie man gemeinsame Handlungsstrategien entwickeln kann. Hier muss aber noch viel passieren. Denn verbreitet ist das Bewusstsein, dass der mit dem nicht reden mag oder kann und am liebsten sowieso für sich selbst arbeitet.
„AUS DER SCHWEIGESPIRALE HERAUSKOMMEN”
National-Zeitung: Welcher Aspekt ist sonst noch bemerkenswert?
Molau: Die entscheidende Frage ist, wie wir aus dieser Spirale von Verschweigen und Diffamieren herauskommen. Die GfP wird auf jeden Fall alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen. Wann endlich wird man es auf der Rechten schaffen, eigene Veranstaltungslokale zu haben?
Meine ganz persönliche Hoffnung ist die Vernetzung und Bündelung der Kräfte. Wir müssen die uns wichtigen Themen gegenseitig aufgreifen und in den Druckmedien und Internetmedien, die auch Andersdenkenden noch freien Raum bieten, transportieren.
Ein weiteres Signal wäre der Jubiläumskongress der GfP, der jetzt für den 28.
/ 29. Mai vorgesehen ist. Ein volles Haus würde die innere Solidarität demonstrieren. Wir sind jetzt im Gespräch mit einem Hotelier, der ganz offen der politischen Korrektheit den Kampf angesagt hat. Ansonsten ist Kreativität gefragt, nicht Resignation: Wir müssen uns offene Räume schaffen und uns bedingungslos für Freiheit und Selbstbestimmung einsetzen. Diese kann man auf Dauer nicht unterdrücken.
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