Katholischer Missbrauchskongress Rom - Auf dem Weg zu "Heilung" und "Erneuerung" - Die Ausrottung
Papst Benedikt XVI. - die offene Wunde der Kirche und die "Kuscheldecken"
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Eine denkwürdige Veranstaltung findet derzeit in der mehr oder weniger Heiligen Stadt der Katholiken in Rom statt. Es soll viel von Opfer geredet werden und Einzelne zu Wort kommen. Täter kommen allerdings nicht zu Wort. Insofern wird u.a. eine der wichtigsten Forderung, die z.B. der Heimkinderverband Deutschland - HKVD - gestellt hat, dass ein "Täter-Opfer-Ausgleich von Angesicht zu Angesicht" stattfinden muss - nicht erfüllt. Gäste der Tagung sollen nur im begrenzten Maße zugelassen worden sein. Heimkinderverbände und Vereine sollen nicht eingeladen worden sein. Wird über die Klagen von Opfer gesprochen, die bei der Antragsstellung und Prüfung sich über den Tisch gezogen fühlen? Wird über die Skandalhöhe der Barentschädigungen gesprochen? Wird über "Kuscheldecken" gesprochen, die Opfer bekommen sollen, die in katholischen Kinderheimen als Baby missbraucht worden sind? Wird über den Umgang mit den Tätern gesprochen, die in vorzüglichen katholischen Pflegeheimen einen angenehmen Lebensabend verbringen? Fragen über Fragen, die keine Anworten bekommen werden, weil so genau möchte man doch nicht hinschauen. Buße ja, aber nicht zu viel. Papst Benedikt XVI. hat die Missbrauchsfälle als "offene Wunde der Kirche" bezeichnet. Ganz "ausrotten" könne auch die beste Prävention sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche - wie in der Gesellschaft insgesamt - nicht, sagt Zollner. "Aber wir wollen mit der Konferenz einen Beitrag dazu leisten, dass diese 'offene Wunde' besser und schneller heilen kann."
Der Täter-Opfer-Ausgleich - TOA - ist eine Maßnahme zur außergerichtlichen Konfliktschlichtung und wird auch Mediation in Strafsachen genannt. Die analoge Regelung in Österreich ist der - Außergerichtliche-Tatausgleich. Ein bestimmtes Verfahren existiert für den Täter-Opfer-Ausgleich nicht. Seine Besonderheiten sind die freiwillige Teilnahme von Täter und Opfer zur Regelung der Folgen eines Konflikts durch gegenseitige Kommunikation. Durch diese grenzt er sich von dem angeordneten Bemühen um einen TOA - § 59a Abs. 2 Nr. 1 StGB -, der freiwilligen Wiedergutmachung durch den Täter - § 46a Nr. 2 StGB - und dem Adhäsionsverfahren ab.
Der TOA ist in der Strafprozessordnung in den § 155a und § 155b geregelt. Außerdem hat er in § 46a StGB Niederschlag gefunden. Der TOA wurde in den 1990er Jahren besonders gefördert. Er ist, neben der Stärkung der Nebenklagemöglichkeiten und dem Ausbau des Opferentschädigungsgesetzes, ein Element der Umgestaltung des Strafrechts. Nachdem im Strafrecht lange Zeit die Einstellung vorherrschte, dass Opfer von Straftaten für das Strafrecht Zeugen sind und gerade keine Verfahrensbeteiligten, werden sie nun mehr zusehends ins Verfahren einbezogen. Mit dem Täter-Opfer-Ausgleich sollen ihre Interessen auch bei der Rechtsfolge einer Straftat Berücksichtigung finden.
Allerdings birgt der TOA Probleme für alle Verfahrensbeteiligten in sich. Zum Zeitpunkt, an dem die Staatsanwaltschaft, ggf. schon im Ermittlungsverfahren, einen TOA anregt, steht noch nicht rechtskräftig fest, ob der Beschuldigte Täter und der Verletzte Opfer einer Straftat ist. Zwar wird die Staatsanwaltschaft einen TOA nicht ins Auge fassen, wenn der Beschuldigte den Tatvorwurf ernsthaft bestreitet. Doch es besteht die Gefahr, dass Beschuldigte sich zum TOA bereit erklären, nur um einer Hauptverhandlung zu entgehen, obwohl sie vom Geschädigten übertrieben belastet worden sind. Andererseits können auch Geschädigte den Eindruck bekommen, für eine Verfahrenseinstellung missbraucht zu werden. Beides gilt es zu vermeiden. Die Konfliktparteien müssen unterstützt werden, zu einem fairen und gerechten Tatfolgenausgleich zu kommen. Neben Strafen und Maßregeln wird der Täter-Opfer-Ausgleich auch als die dritte Spur des Strafrechts angesehen. Im Vorfeld und in bestimmten Einzelgebieten wie im Jugendstrafverfahren Berlins wird auch Diversion betrieben. Ähnliche Formen der Konfliktregelung sind im internationalen Kontext unter der Bezeichnung Restorative Justice bekannt.
Es ist eine Szene, die mehr sagt als viele Worte: Rund 100 Bischöfe aus der ganzen Welt, in einem Hörsaal versammelt, hören einer Frau zu, die als Kind von einem Priester sexuell missbraucht wurde. Augenscheinlicher könnte die gewachsene Sensibilität für dieses Thema in der katholischen Kirche nach den verheerenden Skandalen in zahlreichen Ländern kaum sein. Die Schilderungen der Irin eröffnen eine internationale Konferenz über sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in der katholischen Kirche, die vom 6. bis 9. Februar in Rom stattfindet. Veranstalter ist die renommierteste Universität der Stadt: Die von Jesuiten geführte "Gregoriana". Unterstützt wird die Tagung von der Erzdiözese München, anderen Diözesen und einigen deutschen Hilfswerken.
"Wir wollen, dass den Opfern eine Stimme gegeben wird", sagt Hans Zollner, Psychologie-Professor an der Gregoriana und Mitorganisator der Konferenz mit dem Titel "Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung". Das Ziel der Tagung sei es, "mehr Aufmerksamkeit für das Thema in der weltweiten Kirche zu schaffen". Es müsse deutlich werden, "dass man nicht einfach abwarten darf, wenn es um eine Vorbeugung sexuellen Missbrauchs geht, sondern selbst aktiv werden muss", erläutert der deutsche Jesuitenpater und akademische Vizerektor der Gregoriana. Die Konferenz wolle deshalb vor allem den Erfahrungsaustausch über geeignete Maßnahmen zu Vorbeugung von sexuellem Missbrauch fördern.
Die Resonanz auf die Tagung ist außergewöhnlich: Nahezu alle nationalen Bischofskonferenzen entsenden einen bischöflichen Vertreter zu der Tagung, zumeist den jeweiligen Missbrauchsbeauftragten. Hinzu kommen Obere katholischer Orden sowie Fachleute, etwa Psychologen und Kirchenrechtler; insgesamt nehmen rund 220 Personen an der Tagung teil. Aus Österreich reist der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng an.
Die österreichischen Bischöfe haben im Jahr 2010 eigene Richtlinien für Ahndung und Vorbeugung sexuellen Missbrauchs in der Kirche veröffentlicht. Doch längst nicht alle Bischofskonferenzen haben bislang eigene Vorgaben erlassen. Für die Bischöfe dieser Länder bietet die Tagung die Möglichkeit, sich Anregungen und Hilfestellungen für ein solches Regelwerk geben zu lassen. Denn bis zum Mai 2012 müssen alle Bischofskonferenzen eigene Richtlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch veröffentlicht haben. Diese Frist hatte die vatikanische Glaubenskongregation in einem Rundschreiben vom vergangenen Mai gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt waren jene Ortskirchen, die eigene Vorgaben veröffentlicht hatten, noch die Ausnahme. Nicht nur in Afrika und Asien gibt es auf diesem Feld noch einiges zu tun, auch die Italienische Bischofskonferenz hat bislang noch keine Richtlinien veröffentlicht.
Aus dem Vatikan hat sich hoher Besuch zur Konferenz angesagt: Der Leiter der Glaubenskongregation, Kardinal und "Kaplan Seiner Heiligkeit" William Joseph Levada - Foto -, spricht zu den Teilnehmern über Maßnahmen zur Vorbeugung und Ahndung von sexuellem Missbrauch. Seiner Behörde müssen alle Missbrauchsfälle der Weltkirche gemeldet werden. Die Berichte gehen über den Schreibtisch des "Chefanklägers" der Glaubenskongregation, Charles Scicluna; auch er trägt auf der Konferenz vor.
Levada wurde für sein Verhalten in Bezug auf Priester, die sexuellen Missbrauch in Portland und in San Francisco begangen hatten, kritisiert. Der Gruppe Catholics for a Free Choice zufolge „schützte er einen Pädophilen der Diözese von Portland, Oregon für etwa neun Jahre, was zum Bankrott der Diözese beitrug und ihm den Zorn von Überlebendengruppen für seine Handlungen als Mitglied der Kommission des Vatikans, die die Leitlinien der US-Bischöfe in Bezug auf sexuellen Missbrauch revidierte. Er wurde von dem Netzwerk der Überlebenden der von Priestern Missbrauchten Survivors Network of those Abused by Priests - SNAP - kritisiert, weil er Priester, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurden, nicht aus ihrem Amt entfernte und dafür, Dokumente über diese Priester geheim gehalten zu haben.“ Zudem soll er 1997 einen Geistlichen unter vorgeschobenen Gründen suspendiert haben, nachdem dieser den Verdacht auf einen Missbrauchsfall gemeldet hatte.
Die Ergebnisse der Tagung sollen möglichst Vielen zugänglich gemacht werden und in die Entwicklung eines Internetportals einfließen, das längerfristig für die ganze Weltkirche Informationen über den Umgang mit Missbrauchsfällen online bereitstellen soll. Die auf drei Jahre angelegte Entwicklung dieses "Zentrums für Kinderschutz" der Gregoriana - < www.elearning-childprotection.com > - wird in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Ulm durchgeführt.
Papst Benedikt XVI. hat die Missbrauchsfälle als "offene Wunde der Kirche" bezeichnet. Ganz ausrotten könne auch die beste Prävention sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche - wie in der Gesellschaft insgesamt - nicht, sagt Zollner. "Aber wir wollen mit der Konferenz einen Beitrag dazu leisten, dass diese 'offene Wunde' besser und schneller heilen kann." Offene Wunden der Opfer oder der Täter? - mit wikipedia -
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Johannes Schumacher
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