Kardinal Schönborn entschuldigt sich bei Bischof Peric
Der Erzbischof von Wien war am selben Tag zur Audienz beim Papst
(News4Press.com)
Pressemeldung des Christoferuswerks vom 18.1.2010
Wie bereits in unserer Pressemeldung vom 13.1.2010 berichtet, sorgte der Besuch von Kardinal Christoph Schönborn in Medjugorje für erheblichen Wirbel im Vatikan. Am 10. Januar 2010 beantwortete Pater Bernd Hagenkord, Chef der deutschen Sektion von „Radio Vatikan“, einige Anfragen von Hörern. Dabei reagierte der Jesuitenpater auch auf eine kritische Zuschrift von Felizitas Küble zur umstrittenen Medjugorje-Reise von Kardinal Schönborn und bestätigte öffentlich die geäußerten Beschwerden.
Als Hintergrund der römischen Schelte sei daran erinnert: Der Vatikan verbietet seit Jahrzehnten katholischen Geistlichen „offizielle“ Pilgerfahrten nach Medjugorje. Flugs deklarierte Kardinal Schönborn seine Reise an diesen Ort angeblicher Marienerscheinungen als „privat“. Der „private“ Abstecher war freilich von großem Medienwirbel begleitet – und Schönborns inoffizielles Hausorgan „kath.net“ läßt es sich nicht nehmen, nach wie werbend auf Predigten und Ansprachen des prominenten Wiener Pilgers hinzuweisen.
Bischof Ratko Peric, Oberhirte von Mostar und damit zuständig auch für Medjugorje, äußerte in einer öffentlichen Stellungnahme deutlich sein Befremden über die Quasi-Anerkennung von Medjugorje durch den Wiener Erzbischof, der sich schon seit langem für diesen nicht etwa nur umstrittenen, sondern kirchlich ausdrücklich nicht anerkannten „Erscheinungsort“ stark macht. Demgegenüber halten sowohl Bischof Peric wie auch sein Vorgänger Pavao Zanic die „Marienerscheinungen“ in Medjugorje nicht für authentisch bzw betrachten die Vorgänge nicht als himmlisches Phänomen.
Der Wiener Kardinal kann überdies für seine gewagten „Urteilsverkündigungen“ zugunsten einer „Echtheit“ von Medjugorje keine kirchliche Beauftragung vorweisen. Gleichwohl trumpfte der gemaßregelte Medjugorje-Anhänger auf seiner bistumseigenen Webseite stephanscom.at selbstbewußt auf und erklärte keck, daß er betr. Medjugorje-Reise seine „Rechte als die eines Bischofs und Kardinals“ beachtet bzw keineswegs überstrapaziert habe. Offenbar wurden ihm nun in Rom die Leviten gelesen, wahrscheinlich direkt durch Papst Benedikt XVI.
Am 17. Januar veröffentlichte Bischof Ratko Peric auf seiner amtlichen Webseite ein Entschuldigungsschreiben von Kardinal Schönborn. Pikanterweise ist es vom 15. Januar 2010 datiert, also genau jenem Tag, als der prominenten Medjugorje-Pilger Schönborn zu einer Papstaudienz zitiert worden war. Vermutungen, wonach das Gespräch auch päpstliche Zurechtweisungen in puncto Medjugorje beinhaltete, wurden nunmehr bestätigt, denn der Beschwichtigungsbrief von Kardinal Schönborn an Bischof Peric erfolgte nach der Audienz und noch am selben Tag von Rom aus.
Der Brief des Kardinals beginnt mit den Worten: „Exzellenz! Lieber Bruder in Christo! Ihr Schreiben vom 2. Januar dieses Jahres habe ich erhalten. Es tut mir leid, wenn Sie den Eindruck haben, meine Wallfahrt nach Medjugorje habe dem Frieden geschadet. Sie können sicher sein, daß das nicht meine Absicht ist...“
Damit ist erwiesen, daß der Vatikan in diesem heiß diskutierten Streitfall hinter dem für Medjugorje zuständigen Oberhirten Peric steht und keineswegs hinter den Extravaganzen des Wiener Kardinals.
Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks eV.
Das Christoferuswerk in Münster ist eine als gemeinnützig anerkannte Aktionsgemeinschaft katholischer und evangelischer Christen, die 1971 vom kath. Jugendschriftsteller Günter Stiff (Münster) gegründet wurde und sich für christliche Medien- und Öffentlichkeitsarbeit einsetzt.