„Das Schlachtfeld vorbereiten“ – So lautet die Überschrift eines Beitrages von Seymour Hersh im Magazin „New Yorker“. Der berühmte Enthüllungsjournalist schildert, wie US-Kreise massiv einen Überfall auf den Iran vorbereiten. Demnach hätten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Kommandounternehmen im Iran in den vergangenen Monaten erheblich verstärkt, und auch Operationen des US-Geheimdienstes liefen bereits an, zu denen ausdrücklich Entführungen und Attentate zählen sollen. Für die Operationen seien 400 Millionen Dollar bereitgestellt, Präsident Bush habe jeden Schritt autorisiert, während in vielen Fragen Pentagon und Kongress schlicht und einfach übergangen wurden. Soweit Hersh.
Propaganda läuft
Derweil wird – wie in der US-Geschichte üblich – an Kriegspropaganda gestrickt. So müssen immer wieder die angeblichen iranischen Atomwaffen herhalten, von denen niemand weiß, ob es sie wirklich gibt (Erkenntnisse deuten eher auf eine Einstellung des Atomprogramms schon im Jahre 2003 hin), dann wieder wird behauptet, der Iran arbeite intensiv mit dem Irak zusammen, sorge für Terror und Anschläge. Das sind Phrasen, die wir schon aus der Vorbereitung des Irak-Krieges kennen, als erzählt wurde, Saddam Hussein sitze auf Massenvernichtungswaffen und arbeite mit Bin Laden zusammen. Alles falsch. Alles gelogen, wie National-Zeitungs-Leser schon immer wussten und mittlerweile selbst „Bild“-Leser erkennen.
Der neue Hussein („Der Schlächter von Bagdad“) heißt nun Ahmadinedschad („Der Irre von Teheran“). „Bild“ faselt schon bei jeder Gelegenheit davon, wie der böse Mann das liebe Israel hasse. Der von Massenmedien allerdings bis zum Erbrechen verbreitete Ahmadinedschad-Ausspruch, wonach „Israel von der Landkarte getilgt werden“ müsse, ist eine Fälschung. Die korrekte Übersetzung lautet: „Das israelische Besatzungsregime muss Geschichte werden.“ Völkerrechtlich ist gegen eine solche Forderung sicherlich nichts einzuwenden. Und so reiht sich schon jetzt rund um den Iran-Konflikt Lüge an Lüge.
Rücksichten sind nicht zu erwarten ...
Es sind in den USA die so genannten Neokonservativen, die wieder auf einen Aggressions-Kurs setzen. Schon der Irak-Krieg ist auf den Einfluss dieser zumeist jüdischen US-Strategen zurückzuführen, zumal mit dem Iran ein israelische Interessen störender Faktor ausgeschaltet und somit die atomare Vormachtstellung Israels im Nahen Osten abgesichert werden könnte. Klar, dass dies der Israel-Lobby in den Kram passt. Rücksichten, das lehrt die Gnadenlosigkeit gegenüber der irakischen Bevölkerung, sind aus diesem Kreis nicht zu erwarten.
Unter strengster Geheimhaltung hat Israel denn auch kürzlich über dem Mittelmeer einen Luftangriff auf den Iran simuliert. Knesset-Abgeordneter Isaak Ben-Israel, Angehöriger der Regierungspartei: „Israel wird nicht tatenlos zusehen, wie Iran eine Atombombe baut. Wenn nötig, werden wir Gewalt anwenden.“ Schavtai Schavit, früherer Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, fordert in einem Interview mit „Sunday Telegraph“ ganz offen einen baldigen Angriff auf den Iran.
Schon vor einigen Monaten hatte Journalist Hersh berichtet, dass Pläne für einen mehrwöchigen Luftkrieg gegen den Iran fertig in der Schublade lägen. Darin seien 10.000 Ziele für mit Atomsprengköpfen bestückte Raketen benannt, darunter auch Bereiche der zivilen Infrastruktur, also geplante Angriffe auf die Strom- und Wasserversorgung der Menschen. Ein entsetzliches Leid für die iranische 70-Milionen-Bevölkerung, übrigens die jüngste der Welt, wäre vorprogrammiert.
Die USA unterhalten in sieben Nachbarländern des Iran Landbasen mit Kampfflugzeugen und Raketen. Man könnte also kurzfristig zuschlagen. Hersh habe den Eindruck, dass Bush nicht aus dem Amt scheiden werde, ohne etwas gegen Iran zu tun.
Mehrere Szenarien sind denkbar: Dass beispielsweise die USA gegen den Iran zunächst die israelische Luftwaffe mit dem Argument der „Selbstverteidigung“ vorschicken und dann als „treuer Verbündeter“ eingreifen, sobald eine iranische Gegenreaktion erfolgt. Oder man schafft bzw. provoziert einen Vorwand, wofür es in der blutigen US-Geschichte schon zahlreiche Parallelen gegeben hat; man denke nur an Pearl Harbor 1941, als man Japaner bis aufs Blut provozierte, sozusagen einen Schuss abzugeben, den man dann der Welt als „heimtückischen Überfall“ verkaufte. Oder man denke an den fingierten Angriff auf ein US-Kriegsschiff 1964 im Golf von Tonking, mit dem die USA anschließend das Blutvergießen in Vietnam rechtfertigten, oder man denke an den geschichtsträchtigen Bombenanschlag 1898 auf das US-Schiff „Maine“ im Hafen von Havanna, was man Spaniern in die Schuhe schob, um einen Grund zu haben, ihnen den Garaus zu machen und eigene Imperialgelüste zu befriedigen usw.
Worum es wirklich geht
Vordergründig geht es im Iran-Konflikt um die Aktivitäten Teherans zur Anreicherung von Uran. Wer allerdings wirklich annimmt, dies sei für die USA von irgendeiner Bedeutung, der hat die Mechanismen aggressiven Weltherrschaftsstrebens Washingtons nicht begriffen. Der Iran ist in Wahrheit für die Region des Nahen Osten von großer und sowohl aus politischer, aber vor allem aus wirtschaftlicher Sicht von überragender Bedeutung. Zwei Drittel der weltweiten Öl- und Gasvorräte befinden sich auf iranischem Gebiet. Teheran verfügt nach Saudi-Arabien und Irak über die drittgrößten Ölreserven und nach Russland über die zweitgrößten Gasvorkommen.
Mehr noch: Das Land hat neun sensible Außengrenzen. Nachbarstaaten sind Irak, Pakistan, Afghanistan, Turkmenien, Aserbaidschan, Armenien und die Türkei. Irans südwestliche Küste liegt am Persischen Golf, der wichtigsten Wasserstraße zum Transport von Öl. Im Norden grenzt das Land an die Küste des rohstoffreichen Kaspischen Meeres. Und: Ein potenzieller Iran-Bündnispartner der Zukunft wäre China. Dazu kämen Russland und Indien. Solcherlei Verbindungen schmecken den USA ganz und gar nicht. Was liegt also aus US-Sicht näher, als den Iran mit Bombengewalt in westliche Fesseln zu legen?!
Der Iran ist jedenfalls seit geraumer Zeit Spielball fremder Mächte. 1907 wurde das Land in eine britische, eine russische und eine neutrale Zone aufgeteilt. Russische, türkische und britische Truppen drangen während des Ersten Weltkrieges in das offiziell neutrale Land ein. Die Revolution in Russland 1917 und die Annullierung des russisch-britischen Vertrages von 1907 über Persien schwächten dann den russischen Druck auf das Land ab. So konnte Großbritannien 1919 fast ganz Persien besetzen und dem Iran einen Protektoratsvertrag aufnötigen, der dann aber am Widerstand in der Bevölkerung scheiterte, sodass die Selbstständigkeit Persiens vorübergehend wiederhergestellt war. Im Zweiten Weltkrieg marschierten im August 1941 sowjetische und britische (später auch amerikanische) Truppen im Iran ein, das erneut in Zonen aufgeteilt wurde und beispielsweise die Durchfuhr alliierten Kriegsmaterials für die UdSSR erlauben musste.
Wer macht sich schuldig?
Aus deutscher Sicht stellt sich zunehmend die Frage der Positionierung. Werden wir uns im Iran-Konflikt die Finger schmutzig machen? Sind wir wirklich auf Gedeih und Verderb dem amerikanischen Rockzipfel ausgeliefert, wie Merkel es vorlebt? Wenn sich Deutschland hier nicht bald löst, werden auch wir zunehmend zum Feindbild von US-Opfern. Die Deutschfreundlichkeit im Nahen Osten scheint grenzenlos. Warum aber sollten wir die bis aufs Blut provozieren, die uns lieben und die uns nie etwas getan haben?! Wer mitmacht, ist mitschuldig. Das sollte sich auch die Merkel hinter die Ohren schreiben.
Der iranische Präsident Ahmadinedschad sei während seiner jüngsten Reise nach Rom einem Attentat mit Röntgenstrahlen entgangen, erklärte der frühere iranische Botschafter in Italien, Zohrevand, vergangene Woche in Teheran. Ahmadinedschad hatte im Juni in Rom am dreitägigen Welternährungsgipfel teilgenommen. „Kurz vor der Ankunft unseres Präsidenten haben wir mit Hilfe von Spezialausrüstung dessen Appartement untersucht und eine hohe Belastung durch Röntgenstrahlen entdeckt“, die weiter angestiegen sei. Ahmadinedschad gab bekannt, die Feinde des Iran hätten ihn ermorden wollen. Er beschuldigte US-Verantwortliche der Urheberschaft.
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