Der Hohe Norden ist auch in Haiti

vor allem aber die gewaltigen Unterschiede


Der Hohe Norden ist auch in Haiti

(News4Press.com) Der Hohe Norden verdient diesen Namen nicht nur in Anlehnung an sein berühmtes Namensvorbild, sondern auch weil der eine Anziehungspunkt wirklich ein Höhenpunkt von knapp 1000 m Meereshöhe bildet, den Bonnet L'Evegue (Bischofsmütze). Auf seinem Gipfel steht die Citadelle Laferrière, "8.Weltwunder" und Festung, die es 1982 mit ihren 43m hohen und 4 m dicken Mauern bis zum UNESCO-Weltkulturerbe brachte. Sie wurde mit der Kette anderer Forts 1805-1820 durch 20.000 Arbeiter erbaut, Napoleon jedoch hatte anderes zu tun und Laferrière trotzte auch allen seitherigen Erdbeben.
Die Drehgondel-Luftseilbahn von Milot ist ein Hoax und kam nie zustande, sodass man sich immer noch auf Schusters Rappen oder Maultiers Rücken hinauf bequemen muss. Dabei kommt man an einem anderen eindrücklichen Bauwerk vorbei, dem ehemaligen Königspalast von Sans Souci, erbaut 1810 bis 1813. Der mit verschwenderischer Pracht ausgestattete Palast hatte eine Fußbodenkühlung, indem er von einem Gebirgsbach durchflossen wurde. 1842 wurde er von einem schweren Erdbeben zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Der zweite Magnetpunkt Haïtis heisst Labadee (frz. Labadie) und liegt in der Nähe. Labadee ist eine Halbinsel mit Hafen in Haiti rund 10 Kilometer nordwestlich von Cap-Haïtien, Nord-Departement (5 km westlich), etwa 200 km Luftlinie von der Hauptstadt Port-au-Prince an der Nordküste von Hispaniola. Die Royal Caribbean Cruises hat hier ein grosses gepachtet und betreibt einen Privatstrand, der durch Zäune und Sicherheitskräfte abgesichert ist. Jedes Jahr kommen rund 1 Million Kreuzfahrtpassagiere zum Baden. und bringen dem haïtischen Staat Devisen.

Der weisse Sandstrand ist einer der schönsten des Landes. Er war ursprünglich auf Landkarten als "amerikanisch" eingezeichnet, und den Passagieren wurde vorgelogen, man bleibe innerhalb des US-amerikanischen Staatsgebiets. Es ist das einzige haïtianische Staatsgebiet, in dem englisch gesprochen wird. Das Gelände war durch eine doppelte, unbezwingbare Mauer geschützt, und mit den deutschen Fernsehleuten durften wir das Tor einst nur mit staatlicher Begleitung und ausnahmsweise durchschreiten.

Nach dem schweren Erdbeben am 12. Januar 2010 hat die Royal Caribbean Cruises die Nutzung des Hafens zur Anlandung für Hilfsgüter freigegeben. Auch hier existiert ein Hoax. Es wird nämlich behauptet, eine US-amerikanische Eisenbahnlinie verlängere ihr Netz bis Miami und baue von hier einen submarinen Tunnel nach Labadee hinüber.

Unmittelbar daneben "wohnen" hinter Laken und Wellblechen die "Normalen". Wieder einmal bewahrheitet sich, dass Haiti das Land der grössten Kontraste darstellt.

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