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Das Gespenst der Inflation
Bild Orginalgrösse. (Bildrechte: Deutsche Volksunion)

Das Gespenst der Inflation


Das Gespenst der Inflation

Die ständig wachsenden Lebenshaltungskosten machen den Deutschen immer mehr Angst.



Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst der Inflation. Die totale Geldentwertung nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg mit ihren verheerenden Folgen hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegraben. Doch die in den Wirtschaftswunderjahren der Bundesrepublik gewachsene Zuversicht, solches könne sich nicht mehr wiederholen, hat sich inzwischen zerbröselt. Die ständig wachsenden Lebenshaltungskosten machen den Deutschen immer mehr Angst. Nach einer Forsa-Umfrage glauben 63 Prozent, dass es mit der Wirtschaft bergab geht. Angesicht einer Inflationsrate von bereits 3,3 Prozent in Deutschland und 4 Prozent in der Eurozone ist das kein Wunder.

Dabei handelt es sich bei den offiziellen Inflationszahlen, die nach einem unrealistischen Warenkorb berechnet werden, um geschönte Zahlen. Die Produkte des Alltags haben sich erheblich mehr verteuert. So stiegen innerhalb eines Jahres die Preise für Heizöl um 61,9 Prozent, für Kraftstoffe insgesamt um 15 Prozent, für Diesel um 30 Prozent, für Strom um 7,2 Prozent, für Gas um 5,3 Prozent, für Nahrungsmittel um 7,6 Prozent, für Molkereiprodukte um 18,9 Prozent, für Margarine um 23,3 Prozent, für Brot um 9,1 Prozent und für Nudeln um 27,9 Prozent. Bankvolkswirte gehen davon aus, dass sich die Inflationsraten in den Sommermonaten noch beschleunigen werden.

Nicht nur die Bürger, insbesondere Arbeitslose, Geringverdiener und Rentner, auch die deutsche Wirtschaft gerät immer stärker unter Druck. Die Konjunkturerwartungen für das zweite Halbjahr 2008 haben sich drastisch verschlechtert. Die Aktienkurse rauschen in den Keller. Der Bundesverband der Deutschen Industrie sieht ein „deutliches Wachstumstief“ heraufziehen. Auch das ist kein Wunder: Wie sollen die Deutschen, deren Gehälter und Renten seit Jahren massiv an Kaufkraft verlieren und kaum noch zum Überleben reichen, kräftig Geld für Anschaffungen ausgeben? Seit Jahresanfang haben allein die gestiegenen Energiepreise einen Durchschnittshaushalt mit 650 Euro zusätzlich belastet.

Nach einer Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) kostete der gestiegene Ölpreis seit Jahresbeginn die Verbraucher rund 25 Milliarden Euro. Ein niedrig verdienender Vier-Personen-Haushalt muss mittlerweile 18 Prozent seines Einkommens für Benzin, Heizöl, Strom und Gas aufbringen. Dieses Geld kann an anderer Stelle nicht mehr ausgegeben werden. Die hohen Energiepreise haben aber auch steigende Transport- und Produktionskosten im Gefolge. Das treibt die Preise in die Höhe und macht die Produkte noch unerschwinglicher.

Dieser bedrohlichen Situation müsste der Staat mit Steuererleichterungen entgegenwirken, will er es nicht zu einer Rezession kommen lassen. Doch stattdessen freut sich der Bundesfinanzminister über höhere Mehrwertsteuer-Einnahmen aufgrund der explodierenden Energiepreise. Er wehrt sich sogar mit Zähnen und Klauen gegen die Wiedereinführung der Pendlerpauschale vom ersten Kilometer an. Die CSU aber, die erst der weitgehenden Abschaffung der Pendlerpauschale zugestimmt hat, erklärt sich jetzt unter dem Druck schlechter Umfragewerte zum Vorkämpfer für ihre Wiedereinführung.

Eines ist allerdings auch klar: Das Öl wird immer knapper und teurer werden. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland über den Ausstieg aus der Kernenergie neu debattiert wird. Kernkraftwerke abschalten und gleichzeitig neue Kohlekraftwerke verhindern, geht nun wirklich nicht. Denn auf Solarstrom zu setzen, der nur anfällt, wenn im Sommer die Sonne lang und stark genug scheint, aber nicht gespeichert werden kann, oder auf Windräder, die still stehen, wenn es nicht windet, ist bestenfalls naiv. Das hat auch eine Mehrheit der Deutschen begriffen. Deutlich über 50 Prozent wollen jetzt den Ausstieg aus dem Atomausstieg.

Bruno Wetzel


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