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Beeindruckend - Alltagsbeispiele zur Hochsensibilität


"Ich bin beeindruckt!" ... "Das ist ja beeindruckend!" ... "Etwas hinterlässt einen tiefen Eindruck" ... Wir alle kennen diese Ausdrücke.
Viele Eindrücke strömen an jedem Tag unseres Lebens auf ein. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes be-eindruck-t.


Beeindruckend - Alltagsbeispiele zur Hochsensibilität

Hochsensible Menschen sind beeindruckter als nicht-hochsensible Menschen. Anders ausgedrückt: Sie nehmen die Eindrücke des Alltags (und zwar die äußeren und auch die von innen kommenden Eindrücke) intensiver wahr und verarbeiten diese auch stärker. Ebenso wirken diese Eindrücke typischerweise wieder relativ lange nach, möglicherweise noch Stunden nach dem jeweiligen Ereignis oder auch in der sich anschließenden Nacht.
Das Erlebte wirkt mental, emotional und evtl. auch körperlich lange nach. Es prägt sich sozusagen tief ein, erzeugt einen langen Nachhall, einen tiefen Eindruck.

Die drei folgenden kurzen Szenen zeigen dies beispielhaft (Namen sind frei erfunden):

Szene 1: In der Einkaufsstraße

Ein sonniger Vormittag. Eine belebte Fußgängerzone mit vielen Geschäften in einer größeren Stadt. Viele Menschen sind unterwegs, gehen ihren alltäglichen Beschäftigungen nach. Manche schlendern gemächlich, viele gehen in durchschnittlichem Tempo, einige sind sehr zügig unterwegs, manche wirken gehetzt. Es herrscht viel Bewegung. Was ist sonst noch zu sehen (visuelle Reize)? Häuserfronten in ihren unterschiedlichen Bauweisen und Farbtönen und mit ihren verschiedenartigen Eingängen, die Warenangebote der Geschäfte in Schaufenstern oder in Regalen vor den Läden, im Durchgang zum Kirchhof ein Obdachloser, der um eine Gabe bittet, hier und da ein Baum, ein Hund an der Leine oder auch ein Lieferwagen, der versucht, sich einen Weg durch das geschäftige Treiben zu bahnen.
Was ist zu hören (akustische Reize) ? Die Gespräche der vielen Menschen, die in der Einkaufsstraße unterwegs sind. Meistens nicht konkret zu verstehen. Die unzähligen Unterhaltungen hören sich eher wie ein großes Gemurmel an. Ihre Schritte. Die Motorengeräusche der vielen Autos auf der Straße, die um die Fußgängerzone herumführt, sind zwar etwas weiter entfernt, dringen dennoch ans Ohr. Gelegentliches Hupen. Hinzu gesellen sich die Gerüche (olfaktorische Reize) der verschiedenen Menschen, der Bratwurstbude oder auch von Abgasen.
Neben all diesen Eindrücken ist die schwül-warme Luft dieses Tages auf der Haut zu spüren. Ebenso ist die Nähe der vielen Menschen fühlbar.
Viele Reize auf allen Sinneskanälen, die gleichzeitig auf die Menschen einströmen, die dort unterwegs sind.
Und was bedeutet dies für den Menschen, der die Eigenschaft der Hochsensibilität in sich trägt?
Auf jeden Fall genauso viel Input (Reize) wie für den nicht-hochsensiblen Menschen.
Aber: Das Gehirn des hochsensiblen Menschen verarbeitet diese Reiz intensiver.
Möglicherweise fühlt er sich bereits jetzt überflutet. Und es kommt häufig noch eine Sache hinzu: Hochsensible Menschen nehmen auch die zwischenmenschlichen Reize oder Geschehnisse deutlich stärker wahr bzw. beschäftigen sich stärker mit diesen.
Da schnappt der HSM beispielsweise im Vorbeigehen einen Gesprächsfetzen zwischen zwei anderen, ihm fremden Menschen auf. Viele Menschen würden diesen gar nicht bewusst registrieren. Viele hochsensible Menschen jedoch nehmen dies wahr und machen sich zusätzlich hierüber Gedanken, verarbeiten dies also zusätzlich, während sie weitergehen: "Wie ist wohl die aktuelle Beziehung zwischen den beiden, die ich da gerade gehört habe? Mögen Sie einander? Haben sie im Moment möglicherweise Streit?"
Zwanzig Schritte weiter fällt dem sehr empfindsamen Menschen ein bestimmter Gesichtsausdruck bei einem anderen Menschen auf, der in derselben Einkaufsstraße unterwegs ist. Nun beginnt er beinahe automatisch, auch hierüber nachzudenken: "Wie geht es wohl diesem Menschen gerade?" Worüber denkt dieser andere Mensch gerade nach? Was beschäftigt ihn? Gleichzeitig ist der hochsensible Beobachter emotional, gefühlsmäßig beteiligt, d.h. er scheint die aktuelle Gefühlslage des Menschen, dem er gerade begegnet, intuitiv wahrzunehmen.
Während er nun noch immer mit dieser intuitiv wahrgenommenen Gefühlslage des eben genannten Menschen beschäftigt ist, fällt dem HSM dann einige Meter weiter die Gestaltung eines Ladeneingangs auf, ebenso der Unterschied zwischen zwei im Stil deutlich voneinander abweichenden Schaufensterdekorationen. Auch hier wäre es nicht untypisch, wenn die Gedankenmaschinerie des empfindsamen Menschen relativ schnell anspringt und mehrere Schritte in die Tiefe geht, indem er sich zum Beispiel fragt, was die betreffenden Ladenbesitzer möglicherweise durch die Art ihrer Dekoration ausdrücken oder erreichen wollen.
All dies tut er, während er auch die anderen zuvor beschriebenen physikalischen Reize (visuell, akustisch, kinästhetisch) wahrnimmt und verarbeitet und gleichzeitig ja auch noch mit seinen eigenen Vorhaben in der besagten Einkaufsstraße beschäftigt ist.
Einige Stunden später - der hochsensible Mensch ist bereits wieder zuhause. Er fühlt sich erschöpft, matt, körperlich und geistig. Er spürt, dass er dringend eine Pause benötigt, Rückzug, eine Zeitspanne ohne viele Sinneseindrücke. Zeit zum Verarbeiten.

Szene 2: In der Schule

Malte ist 11 Jahre und in der sechsten Klasse. Er sitzt mit seinen Klassenkameraden im Englischunterricht. Zusammen sind sie 26 Kinder. Maltes Gedanken und somit auch seine Aufmerksamkeit sind aber nicht so ganz beim Unterricht, nicht so ganz bei den neuen Vokabeln, der neuen Grammatik. Aber womit beschäftigt sich sein Geist dann? Er beschäftigt sich beispielweise mit den Geschehnissen, die sich kurz vor Beginn der aktuellen Unterrichtsstunde ereignet haben. Mit den kleinen Rangeleien mehrerer Jungen, mit den Sticheleien zwischen drei Mädchen, die teilweise nicht ganz fair waren. Er verarbeitet.
Und jetzt, während des Unterrichts, nimmt er zusätzlich noch die unterschiedlichen Verhaltensweisen seiner Mitschüler wahr, ihre verschiedenen Sitzpositionen, ihre Gesichtsausdrücke, die verbrauchte, leicht stickige Luft im Raum und besonders auch die Atmosphäre, die Stimmung. Hier kann die Eigenschaft der Hochsensibilität zum Problem werden, v.a. in solchen Fällen, in denen dem jeweiligen Lehrer dieses Phänomen nicht bekannt ist. Der hochsensible Schüler erscheint dem Lehrer unaufmerksam, nicht bei der Sache, verträumt. Aber: Er verarbeitet all die genannten Reize.

Szene 3: Auf der Party

Sonja ist jetzt 32. Vor wenigen Minuten ist sie von der Geburtstagsparty einer Arbeitskollegin nach Hause gekommen. Während der Feier war sie vielen Reizen ausgesetzt: Es lief Musik, deren Lautstärke im Laufe des Abends stetig zunahm. Da in einem Partykeller gefeiert wurde, der kein Fenster besitzt, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Luft im Raum stickig wurde.
Viele Menschen hat sie gesehen, sich mit dem einen oder anderen unterhalten, vieles haben ihr die anderen Gäste über sich und ihren Alltag erzählt (Sonja als HSP ist eine gute Zuhörerin).
Nun ist wieder zuhause, es ist mittlerweile 23.30 Uhr, und Sonja merkt, dass sie sich körperlich und besonders auch geistig ziemlich erschöpft fühlt. Bereits auf dem Heimweg hat sie Folgendes an sich festgestellt: Es tat ihr sehr gut, ein paar Minuten an der frischen Luft zu sein. Es war eine Wohltat, kein Stimmengewirr mehr zu hören und nun wieder Zeit für sich allein zu haben. Gleichzeitig bemerkte Sonja, dass ihr Geist bereits kräftig dabei war, die Geschehnisse des Abends zu verarbeiten. Sie dachte intensiv über das nach, was die anderen Partygäste ihr aus deren Privat- oder Arbeitsleben erzählt hatten. Viele Gedanken schossen ihr hierzu durch den Kopf. Am eindrücklichsten war jedoch, dass die Stimmungen der einzelnen Menschen an diesem Abend, die Sonja wahrgenommen hatte, nun auf dem Heimweg immer noch intensiv nachwirkten.
Wenn sie sich zurückerinnert, fällt ihr auf, dass es auch in ihrer Jugendzeit schon häufig so war. Sie konnte noch nie einfach so abschalten. Die Dinge des Tages hatte schon immer lange und intensiv nachgewirkt. Auch als sie eine Stunde später zuhause im Bett liegt, ist das auf der zurückliegenden Party Erlebte, das, was einzelne Leute gesagt haben, wie sie diese Dinge gesagt haben, wie die anderen Partygäste miteinander und mit dem hochsensiblen Gast umgegangen sind, noch immer präsent und lässt sie nicht so recht zur Ruhe kommen. Erst spät am nächsten Tag, glücklicherweise ist es ein Samstag und Sonja hat keine Termine, gelingt es ihr, den Kopf wieder frei zu und Abstand zu dem am Vorabend Erlebten zu bekommen.




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