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Solar Millennium Interessensgemeinschaft: Zur geplanten Solarkraftanlage Blythe, Kalifornien


Wie sind die Aussichten?


Solar Millennium Interessensgemeinschaft: Zur geplanten Solarkraftanlage Blythe, Kalifornien

Bremen, den 23.02.2012 - Die Solarkraftanlage Blythe sollte in Riverside County, Kalifornien, in einem Joint Venture der Solar Trust of America, LLC und Chevron Energy Solutions errichtet werden. Die Solar Trust of America, LLC wurde 2009 von der inzwischen insolventen Solar Millenium AG und der Ferrostaal AG gegründet, um im Südwesten der USA Solarenergieanlagen zu errichten. Bei Chevron Energy Solutions handelt es sich um einen Geschäftsbereich des Energieriesen Chevron U.S.A., Inc.

Planungsgemäß handelt es sich bei der Solarkraftanlage Blythe um die größte Solarkraftanlage, die weltweit bisher genehmigt wurde. Die Genehmigung zur Errichtung der Anlage wurde am 24.08.2009 beantragt und am 15.09.2010 von der California Energy Commission erteilt. Das milliardenschwere Investment sollte vier voneinander unabhängige Kraftwerke à je 250 MW umfassen, d.h. insgesamt sollen dem kalifornischen Stromnetz 1.000 MW zugeführt werden. Das erste dieser Kraftwerke sollte planungsgemäß 2013 ans Netzgehen.

Im August 2011 gab Solar Trust of America, LLC bekannt, dass die Solarkraftanlage Blythe nicht, wie ursprünglich geplant und genehmigt, als Parabolrinnenkraftwerk, sondern statt dessen als Photovoltaikanlage errichtet werden würde. Dies war wohl durch die wesentliche niedrigeren Kosten der PV-Anlagentechnik begründet, vgl. http://www.greentechmedia.com/articles/read/dark-day-for-solar-thermal-solar-trust-switches-500-mw-power-plant-to-pv/ und http://www.forbes.com/sites/toddwoody/2011/08/18/solar-developer-says-no-thanks-to-2-1-billion-federal-loan-guarantee/. Außer Acht gelassen wurde dabei, dass bei Photovoltaikanlagen die gewonnene Elektrizität nur mittels teuerer Batterien gespeichert werden kann.

Diese Entscheidung bedeutete zum einen, dass Solar Trust of America, LLC eine Bürgschaft der US-Regierung über USD 2,1 Milliarden, die der Gesellschaft zur Senkung der Finanzierungskosten angeboten worden war, nicht in Anspruch nehmen konnte, vgl. oben zitierte Artikel.

Zum anderen bedeutete diese Entscheidung, dass der Genehmigungsantrag geändert werden musste – die erteilte Genehmigung bezog sich ja auf eine Parabolrinnenkraftwerkanlage, nicht auf eine Photovoltaikkraftwerkanlage, vgl. ebenfalls oben zitierte Artikel.

1. Rückzug der Solar Millenium AG aus dem Projekt
Am 03.02.2012 gab die Solar Millenium AG in einer Pressemitteilung bekannt, dass sie ihre US-amerikanischen Projekte, einschließlich ihrer Anteile an der Solar Trust of America, LLC an die solarhybrid AG veräußert habe, http://www.solarmillennium.de/english/press/press-releases/2012-02-03-selling-us-project-pipeline.html . Der Kaufvertrag steht dabei unter der aufschiebenden Bedingung, dass die solarhybrid AG die von der Solar Millenium AG erteilte Finanzgarantien bis zum 31.03.2012 ablöst.

Der Kaufpreis wurde nicht öffentlich bekannt gegeben, jedoch ergibt sich aus der Pressemitteilung, dass Gelder wohl erst fließen, wenn bestimmte Ereignisse (sogenannte Meilensteine) eintreten. Weitere Zahlungen könnten fließen, wenn die US-Projekte weiterverkauft werden können. Zugleich wurden gewisse Drittverbindlichkeiten der Solar Millenium AG von der solarhybrid AG übernommen.

Wie bekannt, hat die Solar Millenium AG im Dezember 2011 Insolvenzantrag gestellt; die Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird für Ende Februar 2012 erwartet, vgl. http://politik.pr-gateway.de/solar-millennium-ag-insolvenz/ und http://www.solarmillennium.de/deutsch/investoren/informations-service/q-und-a-insolvenz-2012.html .

2. Zukunft des Projekts Blythe
Ausweislich der Homepage der California Energy Commission wurde im Juni 2011 ein Antrag auf Abänderung der erteilten Genehmigung in einigen unwesentlichen Punkten gestellt, vgl. http://www.energy.ca.gov/sitingcases/solar_millennium_blythe/compliance/documents/2011-06-14_PVSI_LLC_Petition_for_Amendent.pdf . Diesem Antrag wurde im August 2011 stattgegeben, vgl. http://www.energy.ca.gov/sitingcases/solar_millennium_blythe/compliance/index.html . Der Antrag umfasst jedoch nicht die Änderung der geplanten Anlage von einem Parabolrinnenkraftwerk zu einem Photovoltaikkraftwerk; diesbezüglich ist, soweit ersichtlich, bis heute noch kein Änderungsantrag gestellt worden.

Ferner wurde, soweit aus der Homepage der California Energy Commission ersichtlich, seit November 2011 der vorgeschriebene monatliche Compliance-Report für das Projekt nicht mehr eingereicht, vgl. http://www.energy.ca.gov/sitingcases/solar_millennium_blythe/compliance/submittals/.
Die solarhybrid AG rechnet angeblich damit, die Solarkraftanlage Blythe 2013/2014 zu errichten, und zwar als Photovoltaikkraftwerk, vgl. http://presse.solarhybrid.ag/uploads/media/111010_FTD.pdf. Der Finanzierungsbedarf wird auf 2,5 bis 3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die benötigten Mittel sollen über Bankdarlehen und Finanzinvestoren beigebracht werden. Gespräche hierzu seien bisher noch nicht erfolgt, vgl. http://presse.solarhybrid.ag/uploads/media/111011_Impulse_online.pdf.
Die Homepage für das Projekt Blythe wurde derweilen vom Netz genommen, vgl. http://www.blythesolarpower.com/ .

Es bleibt abzuwarten, ob es der solarhybrid AG gelingt, die Milliardenfinanzierung für ein – so – nicht genehmigtes Projekt auf die Beine zu stellen, insbesondere vor dem Hintergrund des kürzlichen dramatischen Scheiterns der Solar Millenium AG an diesem Projekt (trotz Einbindung des Energieriesens Chevron!). Die Einstellung der monatlichen Compliance-Reports und die Abschaffung der Projektwebsite sind jedenfalls keine positiven Signale.


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