news4press.com logo



Zurück zur Meldung      drucken

Flucht und Asyl - Es gibt viel Elend auf der Welt, schaut schon mal weg!



Was würden Sie bevorzugen: Einen Liebesroman oder ein Buch über Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror? Eine Frage der Vorlieben, sicher, je nach Gusto des Lesers. Diese Themenwahl wird aktuell allerdings von rechten Parolen beeinflusst, über die versucht wird, uns die Augen zu verschließen und uns populistischen Lockrufen folgen zu lassen. Menschen auf der Flucht - will man uns weismachen - sind doch Belastung, spalten die Gesellschaft und müssen als kulturelle Antipoden verstanden werden. Was ein Buch dem entgegen zu setzen hat? Ein Romanautor hat einen Weg gefunden, schwere Kost mit Lesespaß zu verabreichen und setzt dabei ein Fanal für die Menschlichkeit und Nächstenliebe.



(News4Press.com) Lesen mag ja ein wenig unmodern geworden sein. Nicht in Gänze, doch aber sicher immer dann, wenn der Vorgang mehr als zwanzig Sekunden in Anspruch nimmt. Ohne beigemischte bunte Bilder reicht´s dann noch nicht einmal mehr dazu. Doch für eine tiefere Auseinandersetzung mit anspruchsvolleren Themen ist das Konsumieren von Geschriebenem unumgänglich. Bilder allein können nur Rudimentäres transportieren, Instinkte regen oder Aufmerksamkeit erhaschen. Zudem unterliegen sie der großen Gefahr, sich in den Augen der Sendungsempfänger zu verwischen, auszuleiern und diesen zu desensibilisieren.

Nehmen wir z.B. die Bilder von Flucht, Flüchtlingslägern, Krieg, Zerstörung, Terror und Ertrinkenden im Mittelmeer. Scheint es doch, dass die täglichen Nahaufnahmen mehr und mehr ihre Wirkung verfehlen, stumpf machen oder zumindest das Spektakuläre verlieren, welches Sinne und Verstand an die ethischen Prinzipien erinnern, auf deren Fundament unsere Humanität beruht. Dementgegen flammt Nationalistisches wieder auf, wirf sich der Moral und Menschlichkeit entgegen, nimmt Fahrt auf und greift immer mehr Platz in Gesellschaft und pseudo-demokratischer Politik. Asyl und Migration beherrschen Stammtische und Gemüter, schüren Vorurteile und Aversionen. Etwas mehr als siebzig Jahre nach dem Holocaust, nach Vertreibung oder Gefangenschaft, nach eigener Heimatlosigkeit und grauenhaften Ängsten, verwischt sich die Erinnerung in unserer Gesellschaft scheinbar bis zum Nullpunkt. Denn nur noch die Wenigsten haben derlei am eigenen Leibe erfahren. Und das Hören-Sagen allein ist als Äquivalent für fehlende Erlebnisse nicht tauglich.

Es geht aber auch anders. Wenn sich das Ziel der Unterhaltung gesetzt wird, diese dann geschickt als Träger für die Sendungen verwendet wird, erscheint der Konsum verträglicher, leichter. Der Roman "Das Kontingent" (Stefan G. Rohr; ISBN-13: 978-3742700407) bedient sich dessen. Umhüllt von einer zunächst luftigen, amüsanten Geschichte nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise zu den Schicksalen von Flüchtenden aus Syrien und ihrem Weg nach Europa. Immer schonungsloser öffnet er dem Leser die Augen, führt ihn an Orte des Terrors und Krieges, lässt ihn Schlepper und Korruption erleben, Zerstörung und Gewalt in Syrien und an anderen Orten erfahren. Geschickt aber hält der Autor seine Leser in der Rahmenhandlung gefesselt, setzt die Elemente der Spannung und sogar des Abenteuers ein, führt ihn so bis an das überraschende Ende. Ein Buch, das mehr als empfehlenswert ist - gerade jetzt.

Valid XHTML 1.0 Transitional