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In Paris feiern? Bitte an einem anderen Tag!
Für die Deutschen ist der 11. November der Beginn des Karnevals. In Frankreich ist er ein Feiertag zur Erinnerung an den Waffenstillstand am Ende des Ersten Weltkriegs. Begangen wird er als eine Mischung aus Siegesfeier und Gefallenenehrung. Dieses Jahr wird mit Bundeskanzlerin Merkel erstmals ein deutscher Regierungschef dabei sein, wenn in Paris am Arc de Triomphe an die deutsche Niederlage von 1918 erinnert wird.
Da erlaubt sich sogar das FAZ-Feuilleton die Bemerkung: „Auf die Idee, dass ein deutscher Bundeskanzler an den Feiern teilnehmen könnte, die des Sieges über sein eigenes Land gedenken, kam man erst spät – früher gab es ein Taktgefühl, das diesen Gedanken ohne weitere Debatten ausschloss.“
Gerhard Schröder lehnte 1998 noch ab. Das Datum ist für Freundschaftsrituale ungeeignet. Am 11. November 1918 unterzeichnete die deutsche Waffenstillstandsdelegation unter Leitung des Zentrumspolitikers Matthias Erzberger den Waffenstillstand von Compiègne. Der französische Marschall Ferdinand Foch hatte sie zuvor in seinem Salonwagen mit den Worten „Was wollen Sie, meine Herren“ zu demütigen versucht und entließ sie danach mit dem nicht minder barschen Satz „Nun, meine Herren, das wär’s. Gehen Sie!”.
Vor dem Waffenstillstand hatten sich die alliierten Regierungen am 5. November 1918 bereit erklärt, mit Deutschland auf Grundlage der Vierzehn Punkte Frieden zu schließen, die US-Präsident Wilson aufgestellt hatte. Zentral war dabei das Selbstbestimmungsrecht, von dem man im ein halbes Jahr später von den Siegern diktierten Versailler Vertrag nichts mehr wissen wollte. Wie Winston Churchill in „Der Zweite Weltkrieg“ reportiert, bemerkte Marschall Foch über diesen Vertrag: „Das ist kein Friede. Das ist ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.“
So wie niemand von Frankreich erwartet, seine (hierzulande längst vergessenen) Niederlagen bei Waterloo 1815 oder von Sedan 1870 zu feiern, so hätte Merkel die Einladung ausschlagen können, ohne dass man in Paris darüber verstimmt gewesen wäre.
Als Anknüpfungspunkt der tiefen deutsch-französischen Freundschaft eignet sich ein anderer Tag: Am 31. Juli 1914 wurde der sozialistische Politiker Jean Jaurès in Paris ermordet. Er hatte für die Versöhnung mit Deutschland gearbeitet, kämpfte bis zuletzt für die Bewahrung des Friedens und gilt als das erste Opfer des Krieges. Auf langen, blutigen Umwegen hat sich sein Gedanke in beiden Ländern durchgesetzt.
Gerhard Frey jr.
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